12. Dezember 2017

Kritik an „Englischtümelei“ in den Kirchen

Quelle: idea.de

Wenn ein Pfarrer in der Predigt vom „Chillen“ redet.

Wenn ein Pfarrer in der Predigt vom „Chillen“ redet.

Dortmund (idea) – Kritik an einer „Englischtümelei“ in Kirchen und christlichen Medien übt der Sprachwissenschaftler Reiner Pogarell (Paderborn).
 
„Es kann vorkommen, dass ein Gläubiger während des Gottesdienstes den Eindruck gewinnen kann, im Ausland gelandet zu sein. Der Chor singt – Bach hin, Luther her – Englisch. Der Pfarrer hat weitere englische Lieder ausgewählt, wobei ihn nicht so stört, dass viele Besucher bereits mit der deutschen Sprache einige Probleme haben“, schreibt Pogarell in der Zeitung des Vereins Deutsche Sprache (Dortmund). Der Beitrag zum Thema Sprache und Religion trägt den Titel „Am Anfang war das Wort – am Ende steht die Peinlichkeit?“ Wie der Linguist weiter schreibt, enthalte das Gesangbuch der Evangelischen Studentengemeinde rund 50 Prozent englische Lieder. Auch weitere sakrale Texte wie das Glaubensbekenntnis oder das Vaterunser würden dort in englischer Sprache angeboten. Pogarell zufolge überschlägt sich auch der Fernsehsender Bibel.TV (Hamburg) mit seinem Tochterprojekt „Tru: Young Television“ mit Anglizismen. So sei dort von „one World, one Music, one Hope“ die Rede, wobei „unter der einen Musik selbstverständlich amerikanische Musik verstanden wird“. Der Autor kritisiert ferner einen katholischen Pfarrer, der in einem Fernsehgottesdienst am Heiligen Abend 2009 über den Stall zu Bethlehem sagte: „Das ist kein Ort zum Chillen.“ Dieses Wort der Jugendsprache steht für „Entspannen“. Pogarell: „Die Kirche ordnet sich hier – vor Millionen Zuschauern – in einer Reihe neben Kaugummiwerbung, Telefonpromotion und E-Müllüberschwemmung ein. Der Linguist rät von Anglizismen dringend ab: „Der Glaube lässt sich nicht in einer Sprache verbreiten, die nicht von den Gläubigen gesprochen wird.“ Pogarell leitet das Institut für Betriebslinguistk in Paderborn, das Unternehmen in Fragen der Kommunikation berät.