22. September 2017

Ein Lied, ein Trost, eine Predigt und ein Aufruf

Foto: Reinhard Sandbothe / pixelio.de

Foto: Reinhard Sandbothe / pixelio.de

„Denn seine Gnade währt ewig“ (aus Psalm 136).
 

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Dann soll auch unsere Gnade ewig währen. Hast du im Laufe dieses Jahres oder zu irgendeinem anderen Zeitpunkt jemanden verletzt oder bist du von ihm verletzt worden, sodass noch etwas zwischen dir und ihm steht?
 

Dann darf ich dich fragen: Ist dieser Tag am Ende des Jahres nicht eine hervorragende Gelegenheit, um einen Schlussstrich zu ziehen? Selbst wenn man uns wirklich übel mitgespielt oder beleidigt hat, sollten wir jetzt Versöhnungsbereitschaft zeigen.

Vergesst nicht, ihr Christen müsst das tun, oder ihr seid keine Christen. Ihr seid um nichts besser als trügerische Heuchler, wenn ihr auch nur einen einzigen Gedanken hegt, dass ihr nicht zur Vergebung bereit seid.

Es gibt manche Sünden, mit denen ihr trotzdem gerettet werden könnt, aber mangelnde Vergebungsbereitschaft gehört nicht dazu: „Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euer Vater eure Vergehungen auch nicht vergeben“ (Matthäus 6,15). Das sind Christi eigene Worte. Wenn wir uns nicht entschließen zu vergeben, entschließen wir uns, verdammt zu werden.

Nun sind in dieser Sache viele Lügen zu hören. Man sagt: „Ja, ich will das vergeben, aber ich kann es nicht vergessen.“ Das heißt, du willst es nicht vergeben. Du musst alle Feindschaft aufgeben, wenn du gerettet werden willst.

Als Wesley sich mit General Ogilvie nach Amerika aufmachte, hörte er in der Kabine einen wilden Wutausbruch: Es war der General, der seinen Diener ausschimpfte. Er sagte: „Ich hatte eine Menge Flaschen mit Zypressenwein an Bord bringen lassen, den einzigen Wein, den ich trinken darf, und dieser Schurke hat sie allein ausgetrunken. Ich habe ihm Fesseln angelegt und werde ihn an Bord eines Kriegsschiffes schicken, damit er dort ausgepeitscht wird, denn ich vergebe niemals.“

„Nun“, entgegnete Wesley, „dann hoffe ich, dass Sie niemals sündigen.“

Die Schlussfolgerung lag so deutlich auf der Hand, dass der General meinte: „Hier, Sir, nehmen Sie meine Schlüssel. Ich vergebe ihm dieses Mal.“

Wenn wir wollen, dass man uns vergibt, wollen wir auch vergeben.

[Spurgeon, 1867]

Zum Nachdenken: Wenn es falsch ist, die Sonne über unserem Zorn untergehen zu lassen (Epheser 4,26), kann es auch niemals richtig sein, Streitigkeiten und Groll mit ins neue Jahr hinüberzunehmen. Welche Haltung man einnehmen und sich zu eigen machen soll, kann man in Epheser 4,32 nachlesen.

Quelle: „Ein Jahr mit Spurgeon – 366 Andachten“, Gerth Medien (LEIDER vergriffen – keine Neuauflage)