18. August 2017

SWR-Beitrag warnt vor „Weihnachten im Schuhkarton“

Quelle: idea.de

Der Verein `Geschenke der Hoffnung` will Programmbeschwerde einlegen.

Der Verein `Geschenke der Hoffnung` will Programmbeschwerde einlegen.

Mainz/Berlin (idea) – Kritik an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ ist in einer Fernsehsendung des Südwestrundfunks (SWR) geübt worden. In der Landesschau Rheinland-Pfalz vom 15. November wurde sie als evangelikal-fundamentalistisch bezeichnet.
 

Matthias Neff, Beauftragter für Weltanschauungsfragen des katholischen Bistums Trier, brachte die Aktion in Zusammenhang mit christlicher Missionierung, die von Hindus und Muslimen als „Übergriff“ empfunden werde. In ganz Deutschland werde von der katholischen und der evangelischen Kirche vor der Aktion gewarnt, hieß es. Der Beitrag schloss mit den Worten: „Wer dafür Päckchen packt, muss wissen, dass er damit Fundamentalisten unterstützt – und zwar christliche.“ Gegen den Beitrag will der hinter „Weihnachten im Schuhkarton“ stehende Verein „Geschenke der Hoffnung“ (Berlin) beim SWR Programmbeschwerde einlegen. Die Kritik an der Aktion ist nicht neu, sie wird jedoch nicht, wie behauptet, von allen Kirchen geteilt.

Oberkirchenrat widerspricht Fundamentalismus-Vorwurf

So gibt es in der EKD keine einheitliche Stellungnahme zu „Weihnachten im Schuhkarton“. Die Aktion werde von den Leitenden Geistlichen der Landeskirchen unterschiedlich beurteilt, sagte die stellvertretende Pressesprecherin Silke Römhild (Hannover) gegenüber idea. „Geschenke der Hoffnung“ stehe mit anderen evangelischen Hilfsaktionen im Wettbewerb. Als ein „diakonisches Zeichen der Liebe“ kennzeichnete der Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD) im Diakonischen Werk der EKD, Oberkirchenrat Erhard Berneburg (Berlin), die Aktion gegenüber idea. Sie in einen Zusammenhang mit sektiererischen und radikalisierenden Aktivitäten zu bringen, entbehre jeder sachlichen Grundlage. „Geschenke der Hoffnung“ sei mit gutem Grund Mitglied der AMD. Die Zukunft werde von der Vielfalt kirchlicher und freier christlicher Hilfswerke geprägt sein.

Verteilung durch Kirchengemeinden und Kommunen

Bis zum 15. November konnten Spender an über 2.800 Sammelstellen in Deutschland Schuhkartons mit Kleidung, Schulmaterial, Spielzeug oder Süßigkeiten abgeben. In Osteuropa, der Mongolei und Haiti werden die Päckchen dann überwiegend durch örtliche Kirchengemeinden verteilt, darunter auch katholische und orthodoxe. Einbezogen werden Bürgermeister, Sozialämter, Schulen und Kindergärten. Manche Kirchen organisieren für die Verteilaktion ein weihnachtliches Rahmenprogramm und bieten dabei ein Heft mit kindgerecht verfassten biblischen Geschichten in der Landesprache an; den Kartons beigelegt wird das Heft nicht. Internationaler Partner der Aktion ist das von Franklin Graham (Boone/US-Bundesstaat North Carolina) geleitete Hilfswerk Samaritan’s Purse (Geldbeutel des Samariters). Im Filmbeitrag wird es fälschlicherweise Grahams Vater, dem Evangelisten Billy Graham, zugeordnet. Geschäftsführer des deutschen Vereins „Geschenke der Hoffnung“ ist Bernd Gülker (Berlin).