17. November 2017

Pakistan: Zum Tode verurteilte Christin nicht mehr in Haft

Quelle: idea.de

IGFM: Asia Bibi zum Schutz vor Anschlägen mit ihrer Familie untergetaucht. Foto: PR

IGFM: Asia Bibi zum Schutz vor Anschlägen mit ihrer Familie untergetaucht. Foto: PR

Islamabad/Frankfurt am Main (idea) – Die wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilte pakistanische Christin Asia Bibi ist aus dem Gefängnis entlassen worden und befindet sich bei ihrer Familie.
 

Diese hält sich aus Angst vor Anschlägen muslimischer Extremisten versteckt. Ob Pakistans Staatspräsident Asif Ali Zardari ein Gnadengesuch der zum Tod durch den Strang Verurteilten angenommen hat, ist weiter unklar. Das teilte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main der Evangelischen Nachrichtenagentur idea am 25. November mit. Die IGFM stützt sich auf Informationen eines katholischen Priesters, der in Kontakt mit der Familie Bibi steht. Der Fall der Christin hat international starkes Aufsehen erregt; unter anderem hat sich Papst Benedikt XVI. für ihre Freilassung eingesetzt.

Bibi war „Gefangene des Monats“

Die Tagelöhnerin war am 19. Juni 2009 im Dorf Itanwali, 75 Kilometer westlich von Lahore, verhaftet worden. Die in einer Obstplantage Beschäftigte wurde von Arbeitskolleginnen beschuldigt, den Islam beleidigt zu haben. Auslöser war ein Streit um Wasser. Bibi hatte auf Geheiß eines Landwirts das Nass für die Feldarbeiterinnen geschöpft. Diese weigerten sich jedoch zu trinken, weil das Gefäß von einer Christin berührt und damit „unrein“ geworden sei. Später wurde sie von aufgebrachten Muslimen überfallen und zu einer Moschee geschleppt. Dort sollte sie ihrem Glauben abschwören. Als sie sich weigerte, wurde sie geschlagen und vergewaltigt, bevor man sie der Polizei übergab. Im Oktober 2009 benannten die IGFM und idea Bibi als „Gefangene des Monats“ und riefen zur Unterstützung für sie auf. Am 8. November 2010 verurteilte sie das Oberste Gericht in Lahore aufgrund des Blasphemiegesetzes zum Tode. Wegen einer möglichen Begnadigung drohten islamische Extremisten Bibi mit dem Tod.

Forderung: Blasphemiegesetz abschaffen

Weil die Behröden befürchten, dass sie im Gefängnis von Sheikupura umgebracht werden könnte, wurde sie mit ihrem Ehemann Ashiq Masih, einem Ziegelarbeiter, und den beiden 11 und 13 Jahre alten Töchtern in die Hauptstadt Islamabad gebracht. Dort befinden sie sich im Untergrund. Nach Angaben des IGFM-Informanten besteht die Hoffnung, dass die Familie zur Sicherheit ins Ausland gebracht wird. Im Zusammenhang mit dem Fall Bibi sind erneut internationale Forderungen laut geworden, das pakistanische Blasphemiegesetz abzuschaffen, das seit 1991 in Kraft ist. Ein Todesurteil wurde bisher nicht vollstreckt, doch wurden über 650 Christen wegen eines oft unbegründeten Verdachts angeklagt. In Pakistan ist der Islam Staatsreligion. Von den 173 Millionen Einwohnern sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen, zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen. Von den Christen sind etwa zwei Millionen Protestanten, eine Million Katholiken und 600.000 Mitglieder orthodoxer oder unabhängiger Kirchen.