16. August 2017

Integrationsdebatte: Warum schweigen die Kirchen?

Quelle: idea.de

Elisabeth Motschmann erwartet klares Bekenntnis zu christlich-jüdischer Tradition.

Elisabeth Motschmann erwartet klares Bekenntnis zu christlich-jüdischer Tradition.

Bremen (idea) – Ein wegweisendes Wort der Kirchen zur Integrationsdebatte erwartet der Evangelische Arbeitskreis der CDU (EAK) im Bundesland Bremen.
 

Es sei zu bedauern, dass sich die evangelische und die katholische Kirche so wenig an der aktuellen Diskussion beteiligten, heißt es in einem Diskussionspapier. Viele Menschen seien durch das weitgehende Schweigen verunsichert, und die Politik werde mit Problemen alleingelassen, die auch von den Kirchen bewältigt werden müssten. Wörtlich heißt es: „Ein klares Bekenntnis zu unserem christlichen Glauben sowie zu unserer christlich-jüdischen Tradition stünde den Vertretern der Kirchen gut an.“ Der Bremer EAK setzte sich für Respekt, Toleranz und Dialog zwischen den Religionen ein. Dafür müsse man aber zunächst den eigenen Glauben ernst nehmen, erklärte die Bremer EAK-Vorsitzende und kirchenpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Elisabeth Motschmann. Bundespräsident Christian Wulff habe mit seiner Aussage „Der Islam gehört auch zu Deutschland“ eine notwendige Diskussion angestoßen, die fortgesetzt werden müsse. Dabei gelte es, für die christlich-jüdischen Wurzeln der Menschenrechte sowie der Kultur, des Sozial- und Rechtssystems einzutreten.

Gegen gesetzliche Feiertage des Islams

Solide Kenntnisse der eigenen Religion seien für den interreligiösen Dialog unabdingbar, heißt es in dem Papier: „Wenn uns der christliche Glaube gleichgültig ist, wird alles gleich gültig.“ Deshalb dürfe in den Schulen Bremens der Religionsunterricht nicht ausfallen, wie es vielfach der Fall ist. Den aus den Reihen von Bündnis 90/Die Grünen kommenden Vorschlag, dem Islam den gleichen rechtlichen Status wie den Kirchen und der jüdischen Religionsgemeinschaft zu verleihen, lehnt der EAK entschieden ab. Nicht vertretbar wäre auch die Einführung gesetzlicher Feiertage des Islams in Deutschland.

Kein Hass gegen Andersgläubige

Bei allen Unterschieden im Glauben müssten Christen und Muslim dazu beitragen, Vertrauen aufzubauen: „Es darf in unserem Land nie wieder Hass gegen Andersgläubige entstehen.“ Eine gemeinsame Aufgabe von Christen und Muslimen sei es, Brücken zu bauen und die Bildung von Parallelgesellschaften zu verhindern. Überall, wo im Namen einer Religion Hass gepredigt und Gewalt praktiziert werde, müsse es entschiedenen Widerstand geben. Auch dürfe die Gleichberechtigung der Geschlechter nicht zur Disposition gestellt werden. Der EAK lehne jede Diskriminierung von Frauen ab. Angst vor dem Islam sei ein schlechter Ratgeber. Viel mehr zu fürchten sei ein schwaches Christentum.