18. August 2017

Bayerische Synode: Ja zu Homo-Partnern im Pfarrhaus

Quelle: idea.de

Der Vertreter des Pietismus, Prof. Ewald Büttner, warnte, dass junge Christen nicht mehr Theologie studieren wollten aus Angst, ihr Vertrauen zur Heiligen Schrift zu verlieren.

Der Vertreter des Pietismus, Prof. Ewald Büttner, warnte, dass junge Christen nicht mehr Theologie studieren wollten aus Angst, ihr Vertrauen zur Heiligen Schrift zu verlieren.

Neu-Ulm (idea) – Die bayerische Landessynode hat keine grundsätzlichen Bedenken, wenn homosexuelle Pfarrern im Pfarrhaus mit ihrem Partner zusammenzuleben wollen.
 

Sie nahm am 25. November in Neu-Ulm mit großer Mehrheit eine entsprechende Erklärung des Landeskirchenrates zur Kenntnis, die das gemeinsame Wohnen bereits seit Juli genehmigt. Zugleich sprach sie sich dafür aus, dass in den nächsten Jahren eine „vertiefte Behandlung“ biblischer Stellen über den Umgang mit Homosexualität stattfinde sowie über den Platz von homosexuell geprägten Menschen in der Kirche nachgedacht werde. Die ursprünglich vorgeschlagene Formulierung, die Synode begrüße die vom Landeskirchenrat getroffene Regelung, änderte die Synode auf Anregung von Landesbischof Johannes Friedrich (München) so ab, dass diese Regelung nur zur Kenntnis genommen wird. Diese Haltung der Synode könne in der Kirche eher vermittelt werden, so der Bischof. Mit der Veröffentlichung der Regelung war Friedrich der synodalen Entscheidung zuvorgekommen. Dem Kirchenparlament lagen zwei Eingaben vor, homosexuelle Partnerschaften im Pfarrhaus zuzulassen, um keine Diskriminierungen vorzunehmen. 35 weitere Eingaben lehnten den Wunsch ab. Trotz der Erklärung des Landeskirchenrats musste die Synode auf die Eingaben reagieren. Abgelehnt wurde die Bitte des Arbeitskreises Bekennender Christen (ABC) um ein Moratorium. Es sah vor, dass der Landeskirchenrat seine Entscheidung nicht anwendet und die Synode erst nach einer ausführlichen theologischen und humanwissenschaftlichen Diskussion entscheidet. Die kirchenleitenden Organe müssten dafür sorgen, dass Lehre, Leben, Verkündigung und Seelsorge ihrer Aufgabe gerecht werden und Einheit und Freiheit gewahrt bleiben, so der Synodale Martin Pflaumer (Pommelsbrunn bei Nürnberg).

Kommt der GAU?

In einer mehrstündigen Aussprache berichteten mehrere Synodale von Wut und Enttäuschung über die Regelung des Landeskirchenrats sowie von Kirchenaustrittsdrohungen. Sie kritisierten eine Missachtung biblischer Aussagen gegen praktizierte Homosexualität. Der Vertreter des Pietismus, Prof. Ewald Büttner (Regenstauf bei Regensburg), warnte, dass junge Christen nicht mehr Theologie studieren wollten aus Angst, ihr Vertrauen zur Heiligen Schrift zu verlieren. Auch könnte die Bereitschaft zur Mitarbeit in der Kirche abnehmen. Der GAU (Größter anzunehmender Unfall) wäre, wenn Gemeinschaftsprediger wegen der synodalen Entscheidung aus der Kirche austräten und deshalb von ihrem Gemeinschaftsverband gekündigt werden müssten, wie es ein Abkommen mit der Kirchenleitung vorsehe. Der Synodale Hans-Joachim Vieweger (München) forderte ebenfalls, die theologischen Bedenken zahlreicher Kirchenmitglieder ernstzunehmen und solchen Kirchenmitgliedern ein positives Zeichen zu geben, die sich um die Zukunft von Ehe und Familie sorgten. Andere Synodale verwahrten sich dagegen, dass Konservative als Ewiggestrige bezeichnet würden. Sie setzten sich vielmehr „für ein Leben auf der Grundlage von Gottes Wort“ ein. Von Befürwortern des Zusammenlebens im Pfarrhaus wurde die Regelung des Landeskirchenrates als Ende von Diskriminierung homosexueller Geistlicher begrüßt. Sie eröffne ihnen einen Weg von der Heimlichkeit in die Öffentlichkeit. Das stärke Glaubwürdigkeit der Kirche. Man wolle sich nicht von Austrittsdrohungen erpressen lassen.

Jetzt kommen Informationsveranstaltungen

Vor Journalisten bezeichnete Friedrich die Aussprache als Sternstunde synodaler Diskussionskultur. Alle Redner hätten auf verletztende Äußerungen gegenüber Andersdenkenden verzichtet. Der Bischof kündigte Informationsveranstaltungen in den Kirchenkreisen an, um „deutlich zu machen, dass die Haltung des Landeskirchenrats mit der Bibel übereinstimmt“.