21. November 2017

Wo man einer Predigt widersprechen kann

Quelle: idea.de

`GoSpecial 2.0` findet nicht mehr in einem Kino statt, sondern im Veranstaltungszentrum `Brotfabrik` in Frankfurt-Hausen. Foto: PR

`GoSpecial 2.0` findet nicht mehr in einem Kino statt, sondern im Veranstaltungszentrum `Brotfabrik` in Frankfurt-Hausen. Foto: PR

Eschborn (idea) – Ein Gottesdienst, wo dem Prediger öffentlich widersprochen oder eine Gegenpredigt gehalten werden kann, gibt es jetzt einmal im Monat in Frankfurt am Main.
 

Die evangelische Andreasgemeinde in Eschborn-Niederhöchstadt hat ihren monatlichen „etwas anderen Gottesdienst GoSpecial“, der sich vor allem an Kirchendistanzierte wendet, umgestaltet. Der stärker interaktiv ausgerichtete Gottesdienst heißt „GoSpecial 2.0“. Er findet nicht mehr in einem Kino statt, sondern im Veranstaltungszentrum „Brotfabrik“ in Frankfurt-Hausen. Seit eineinhalb Jahrzehnten wurden die bisherigen GoSpecial-Gottesdienste angeboten. „Die Zeit hat sich geändert. Menschen sind heute stärker auch spirituell interessiert“, sagte Pfarrer Kai Scheunemann zur Begründung für die Veränderung. Im neuen Format kommen die Besucher zunächst für eine halbe Stunde bei Kaffee und Musik zusammen, um miteinander zu reden. Es folgt der Gottesdienst mit Predigt, Musik und Theaterstück. Anschließend geht es in verschiedenen Räumen weiter. Die Besucher können wählen, ob sie mit dem Pfarrer über seine Predigt diskutieren, in der „Speaker’s Corner“ ihre Version der Predigt zum Besten geben, in einem „Worship-Raum“ neue Kirchenmusik und Gebete sprechen, in einem „Raum der Stille“ Kerzen anzünden oder sich segnen lassen. Zur Verfügung steht auch ein Kreativraum, in dem die Besucher ihre Eindrücke künstlerisch umsetzen können. In einem Kinderraum wird das Thema für die Jüngsten aufbereitet.

Zusammenarbeit mit Homosexuellen

Laut Scheunemann ist der erste GoSpecial-Gottesdienst im neuen Gewand mit 250 Besuchern an die Kapazitätsgrenzen der „Brotfabrik“ gestoßen, doch habe man doppelt so viele Besucher erreicht wie vorher. Passend sei das Motto des Gottesdienstes gewählt worden: „Change – sich verändern in einer sich wandelnden Zeit“. In Ansätzen habe man das im Auftaktgottesdienst erlebt: Zufällig habe eine Gruppe von Homosexuellen an diesem Tag einen Flohmarkt mit Verkleidungen und einer Modenschau im selben Veranstaltungszentrum organisiert. Nach kurzem Zögern sei diese Gruppe mit in den Gottesdienst einbezogen worden. „Das war ein spannendes Experiment. Aber es macht auch deutlich, worum es uns bei GoSpecial 2.0 geht: Hier trifft und vermischt sich Gott und Welt“, so der Pfarrer. Vereine, Projekte und Initiativen sollten sich einbringen, um durch eine Grenzen sprengende Allianz die Gesellschaft zu verändern.