19. November 2017

„Unwissenheit über die Bibel führt zur Unmoral“

Quelle: idea.de

Der Leiter der Konferenz und Geschäftsführer der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg, Hartmut Jaeger.

Der Leiter der Konferenz und Geschäftsführer der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg, Hartmut Jaeger.

Rehe (idea) – Evangelikale sollten sich intensiver mit der Bibel befassen und deren Weisungen für alle Lebensbereiche stärker beachten. Dazu haben führende Vertreter des theologisch konservativen Bibelbundes aufgerufen.
 

Die Organisation will das Vertrauen in die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift stärken. Sie veranstaltete vom 22. bis 26. Oktober ihre erste Bibelbund-Konferenz in Rehe (Westerwald). Daran nahmen rund 70 Christen aus Landes- und Freikirchen teil. Der Leiter der Konferenz und Geschäftsführer der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg, Hartmut Jaeger, kritisierte gegenüber idea, dass viele Evangelikale das Bibellesen vernachlässigten: „Sie suchen Lebenshilfe in irgendwelchen Büchern anstatt im Wort Gottes.“ Häufig nähmen sich Christen morgens nicht die Zeit zum Bibelstudium, sondern begnügten sich mit einem „geistlichen Schnellimbiss“. Dies sehe häufig so aus, dass man im Andachtsbuch „Losungen“ der Herrnhuter Brüdergemeine jeweils den für den Tag angegebenen Bibelvers aus dem Alten und dem Neuen Testament lese. Dies sei zu wenig, um das eigene Glaubensleben lebendig zu halten, und wirke sich negativ auf die Lebensführung aus: „Unwissenheit über das Wort Gottes führt zur Unmoral.“

Ohne Bibel keine Erweckung

Jaeger forderte deshalb, der Bibel wieder mehr Beachtung zu schenken: „Die intensive Beschäftigung mit ihr war immer der Ausgangspunkt für eine Erweckung.“ Der Vorsitzende des Bibelbundes, der Theologie-Dozent Michael Kotsch (Lemgo), bestätigte, dass die Bibelkenntnis auch in frommen Kreisen abnehme. Bei seinen Besuchen in evangelikalen Gemeinden mache er die Erfahrung, dass Mitglieder oft nicht über die sexualethischen Weisungen in der Bibel informiert seien. So begründeten manche Mitarbeiter eine Partnerschaft ohne Trauschein damit, dass dazu in der Heiligen Schrift nichts stehe. Dabei werde dort klar gesagt, dass Sexualität in die Ehe von Mann und Frau gehöre. Außerdem werde oft die Frauenordination damit begründet, dass viele Pastorinnen gut predigen könnten, ohne dass man beachte, was die Bibel zur Rolle der Frau sage.

Die Bibel ist kein Steinbruch

Michael Kotsch, Vorsitzender des Bibelbundes - Foto: Thomas Schneider

Michael Kotsch, Vorsitzender des Bibelbundes - Foto: Thomas Schneider

Kotsch kritisierte, dass viele Christen die Bibel wie einen Steinbruch gebrauchten: „Sie suchen sich die Stellen heraus, die ihnen persönlich gut tun oder in ihre Überzeugung passen.“ Die Bibelstellen, die die eigene Lebensführung infrage stellten, würden jedoch ausgeblendet. Dazu gehörten beispielsweise Aussagen über Geldgier, Geiz und Heuchelei. Es dürfe jedoch nicht dazu kommen, dass eine „Erfahrungs- und Wohlfühltheologie“ die Relevanz der biblischen Botschaft für alle Lebensbereiche aushebele. Der 1894 in Pommern gegründete Bibelbund tritt für eine „schriftgebundene christliche Lehre“ ein und wendet sich gegen Bibelkritik und eine Liberalisierung der Theologie. Die Organisation hat nach eigenen Angaben etwa 350 Mitglieder. Über ihre regelmäßig erscheinenden Publikationen erreicht sie rund 4.500 Personen. Vorsitzender Kotsch kündigte an, dass das Werk künftig stärker die internationale Zusammenarbeit suchen wird. So sei im kommenden Jahr eine gemeinsame Tagung mit den Bibelbünden von Ungarn und der Schweiz geplant. Die 2. Reher Bibelbund-Konferenz soll vom 21. bis 25. Oktober 2011 stattfinden.

1. Reher Bibelbund-Konferenz - Foto: Thomas Schneider

1. Reher Bibelbund-Konferenz - Foto: Thomas Schneider

1. Reher Bibelbund-Konferenz - Foto: Thomas Schneider

1. Reher Bibelbund-Konferenz - Foto: Thomas Schneider