19. November 2017

Theologisch Konservative widersprechen EKD-Ratsvorsitzendem

Quelle: idea.de

Nikolaus Schneider im idea-Interview: Jungfrauengeburt nicht entscheidend für den Glauben. Foto: EKIR/Andre Zelck

Nikolaus Schneider im idea-Interview: Jungfrauengeburt nicht entscheidend für den Glauben. Foto: EKIR/Andre Zelck

Filderstadt (idea) – Widerspruch zu seinen Äußerungen zur Jungfrauengeburt bekommt der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf) von theologisch konservativen Kreisen.
 

Er hatte in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) die Aussage im Glaubensbekenntnis, dass Jesus Christus von einer Jungfrau geboren wurde, als „nicht entscheidend“ für den Glauben bezeichnet. Im Neuen Testament gebe es auch ein anderes „Modell“. Danach sei der Evangelist Markus der Ansicht gewesen, Gott habe Jesus erst bei der Taufe als seinen Sohn adoptiert. Diese Ansicht weist einer der profiliertesten konservativen Lutheranern im Osten Deutschlands, Prof. Karl-Hermann Kandler (Freiberg/Sachsen), zurück. Den Verfassern der Evangelien, insbesondere den Evangelisten Matthäus und Lukas, sei es nicht um eine biologische, sondern um eine für den christlichen Glauben wesentliche theologische Aussage gegangen, schreibt Kandler im Rundbrief der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ (Filderstadt bei Stuttgart). Auch bei Markus heiße es, dass sich Gott bei der Taufe Jesu zu seinem Sohn bekannt habe. Die historische Tatsächlichkeit einer Jungfrauengeburt könne weder bewiesen noch widerlegt werden. Laut Kandler sollte die Kirche am Bekenntnis, dass Jesus „vom Heiligen Geist empfangen“ wurde, festhalten, weil es die Wesenseinheit von Gott und seinem Sohn Jesus Christus ausdrücke. Jesus Christus sei kein Mensch gewesen, den Gott bei der Taufe adoptiert und dadurch zu seinem Sohn erklärt habe, sondern in ihm sei Gott ein Mensch geworden. Dies habe die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen ermöglicht. Gottes Erlösungstat schließe jede menschliche Mitwirkung aus. Der 73-jährige Kandler ist Vorsitzender des Lutherischen Einigungswerkes der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), das sich als Klammer zwischen den lutherischen Landeskirchen, den Lutheranern in den zur Union Evangelischer Kirchen gehörenden Landeskirchen und der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) versteht. Er hatte zahlreiche kirchliche Ämter inne. Von 1996 bis 2002 hatte er außerdem einen Lehrauftrag für Systematische Theologie an der Leipziger Universität.