21. November 2017

Seehofer: „Multikulti ist tot“

K O M M E N T A R

von Thomas Schneider

Es scheint so, als seien die „Christ-Sozialen“ doch noch nicht im Einheitsbrei der „Christ-Demokraten“ aufgegangen.

Fast aus dem Stand heraus probt der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer den Aufstand gegen die deutsche Einwanderungspolitik und stützt damit die Meinung der Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Die Voraussetzung für die Integration ist, dass man die Sprache hier spricht.“

Im Kreise der jungen christlichen Demokraten scheint Seehofer irgendwie mehr Mut zu beweisen als bei so manchen Auftritten vor den alten Herren seiner Partei. Am Freitagabend donnerte er es jedenfalls von der Kanzel des Deutschlandtages der Jungen Union: „Multikulti ist tot!“

Unter großem Beifall rief er den politischen Nachwuchskräften zu: „Wir haben eine christlich orientierte Wertorientierung in Deutschland und die ist Maßstab für die Alltagskultur.“ Wer in Deutschland leben wolle, müsse bereit sein „mit uns zu leben“.

Mit seinem Aufruf, Zuwanderer sollten sich zur deutschen Leitkultur bekennen und christliche Werte achten, heizt Seehofer die Integrationsdebatte nach Sarrazin erneut an. „Wir dürfen nicht zum Sozialamt für die ganze Welt werden“, mahnt der Bayer und trifft den Nerv seiner Zuhörer. Denn nicht nur aus den Reihen der JUler nimmt der offene Widerstand gegen den unaufhaltsamen Zustrom von Asylbewerbern nach Deutschland zu. Das Geschichtserlebnis Ende der 80er Jahre lehrt eben doch Umdenken.

Bleibt zu hoffen, dass es Seehofer mit seinem Appell wirklich ernst meint und nicht nur eine vorgezogene Wahlkampfrede gehalten hat. Sonst bliebe der konservativen Wählerschicht nur eins: Die Gründung einer neuen Christlich-Freiheitlichen Partei, rechts neben der CDU/CSU.

Hinweis in eigener Sache: Es handelt sich um einen privaten Kommentar des Kommunalpolitikers Thomas Schneider und nicht um einen Kommentar von idea.