21. November 2017

Sachsen: Evangelische Schulen weniger wertvoll?

Quelle: idea.de

Der sächsische FDP-Landes- und Fraktionschefs Holger Zastrow. Foto: PR

Der sächsische FDP-Landes- und Fraktionschefs Holger Zastrow. Foto: PR

Dresden (idea) – In Sachsen ist eine Debatte um den Stellenwert von Privatschulen entbrannt. Auslöser sind Äußerungen des FDP-Landes- und Fraktionschefs Holger Zastrow.
 

Er hatte dafür plädiert, zwischen freien Schulen zu unterscheiden, die das Bildungssystem pädagogisch bereichern und solchen, die lediglich eine staatliche Schule ersetzen. Hintergrund ist eine Diskussion um die Finanzierung von Privatschulen im anstehenden Doppelhaushalt 2010/2011. Der von einer CDU-FDP-Koalition regierte Freistaat will den Fördersatz für freie Schulen von 95 auf 84 Prozent kürzen. Wie Zastrow der Sächsischen Zeitung sagte, müssten sich staatliche Schulen in Regionen wie der Oberlausitz oder dem Erzgebirge aufgrund des Bevölkerungsrückgangs Schritt für Schritt zurückziehen. Vielfach finde sich im gleichen Gebäude heute eine Schule mit freiem Trägerverein, „beispielsweise einem evangelischen“. Es könne nicht Sinn und Zweck des sächsischen Schulsystems sein, dass langfristig freie Schulen die staatlichen ersetzen. Die sechs katholischen Schulen im Freistaat oder auch die Waldorfschulen seien eine „wertvolle Ergänzung“ zum staatlichen Schulsystem. Doch in einigen anderen freien Schulen sei heute kein besonderes pädagogisches Konzept erkennbar. Das Engagement besonders der evangelischen Schulvereine sei zwar legitim. „Dass evangelische Schulvereine das staatliche Schulsystem ablösen“, sei aber nicht seine Vorstellung von freier Schule, so Zastrow. Er wolle jedem Schüler auch im ländlichen Raum garantieren, dass er eine nichtkonfessionelle Schule besuchen könne.

Demonstration geplant

Freie Schulen wollen gegen die geplante Kürzung protestieren. So hat die Schkola-GmbH, Trägerin mehrerer Einrichtungen, für den 20. Oktober zu einer Demonstration in Görlitz aufgerufen. Prokurist Christian Zimmer erwartet rund 500 Teilnehmer. In der Region Bautzen denken Christen darüber nach, Anfang November einen Fürbittegottesdienst im Bautzener Dom zu veranstalten. „Schließlich haben wir eine Adresse jenseits der Politik, an die wir uns wenden können“, sagte Denise Lehmann, Vorstand der Evangelischen Mittelschule Hochkirch, gegenüber idea. Der zweite Vorstand der Schule, Enrico Paul (Bautzen), ergänzt: „Es ist verunsichernd, wenn wir uns als Bürger und Initiatoren nicht auf das Wahlprogramm der Parteien verlassen können. Vor allem als Unternehmer und FDP-Wähler bin ich darüber doppelt enttäuscht.“ Im Programm der FDP zur Landtagswahl 2009 in Sachsen hieß es: „Wir bekennen uns zu einer vielfältigen Bildungslandschaft mit unterschiedlichen Trägern. Es müssen mehr Anreize für privates Engagement geschaffen werden. Freie Träger und staatliche Bildungsanbieter sind grundsätzlich gleichberechtigt zu behandeln.“ Paul kritisiert ferner Zastrows Äußerung, dass katholische und Waldorfschulen die Schullandschaft wertvoll ergänzten, während evangelische Einrichtungen nur die staatlichen Schulen ersetzten: „Damit wird sowohl dem Engagement von Bürgern, vor allem aber den dort tätigen Lehrern und Mitarbeitern großes Unrecht getan.“ In Sachsen hat sich die Zahl staatlicher Schulen seit 1993 von 2.300 auf 1.300 verringert, während sich die der freien Schulen von 20 auf 196 erhöhte. Die Zahl der Schüler an diesen Einrichtungen stieg von 2.300 auf 28.300.