18. November 2017

Muslime kritisieren Evangelischen Arbeitskreis der Union

Quelle: idea.de

Thomas Rachel weist Vorwurf der Diffamierung zurück.

Thomas Rachel weist Vorwurf der Diffamierung zurück.

Bonn/Berlin (idea) – Die Deutsche Muslim-Liga Bonn hat dem Evangelischen Arbeitskreis (EAK) der CDU/CSU „Diffamierung der islamischen Welt“ vorgeworfen.
 

Die Kritik richtet sich gegen Passagen der Resolution „Die um seines Namens willen verfolgt werden – Verfolgung und Diskriminierung von Christen im 21. Jahrhundert“. Das Papier hatte der EAK-Bundesvorstand am 11. Juni verabschiedet. In einem Offenen Brief an den Bundesvorsitzenden, den Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Rachel (Berlin), nimmt die Muslim-Liga Bonn insbesondere Anstoß an dem Hinweis auf die „zunehmend schwierige Lage alteingesessener christlicher Kirchen in den islamischen Ländern des arabischen, persischen und türkischen Kulturraums“. Die islamische Welt habe eine ausgeprägte Toleranz bewiesen, zu islamischen Zwangsbekehrungen sei es überaus selten gekommen, schreibt der Vorstand der Organisation, Bashir Ahmad Dultz. Christenverfolgungen hätten häufig ethnisch-nationalistische oder politische Gründe und seien nicht religiös motiviert. „Die Muslime waren und sind oft Täter, aber viel häufiger Opfer von Verfolgung und Diskriminierung“, heißt es in dem Brief.

Rachel: Muslim-Liga relativiert Menschenrechtsverstöße

Der EAK-Vorsitzende Rachel weist den Vorwurf der Diffamierung zurück. Gerade der EAK habe sich um ein positives Miteinander von Christentum, Islam und anderen Religionen bemüht. „Befremdlich sind die in diesem Brief geäußerten Versuche der Relativierung der eklatanten Menschenrechtsverstöße in vielen der islamisch geprägten Länder dieser Erde, unter denen nachweislich vor allem die Christen und andere religiöse Minderheiten zu leiden haben“, so Rachel. Die kritisierte EAK-Resolution nehme zu diesem Problem sachlich und differenziert Stellung. Die Deutsche Muslim-Liga Bonn entstand zunächst als Bonner Ortsgruppe der Deutschen Muslim-Liga (Hamburg) und verselbständigte sich 1987. Sie ist Mitglied im Zentralrat der Muslime in Deutschland und im interreligiösen Dialog engagiert.