21. November 2017

Lob und Kritik für Bundespräsident: Gehört der Islam zu Deutschland?

Quelle: idea.de

Lob und Kritik für Bundespräsident für Bundespräsident Christian Wulff (CDU). Foto: PR

Lob und Kritik für Bundespräsident für Bundespräsident Christian Wulff (CDU). Foto: PR

Düsseldorf/Hamburg/Wiehl (idea) – Bundespräsident Christian Wulff hat für seine Rede zur Deutschen Einheit von evangelischen Geistlichen Lob und Kritik erhalten. In seiner Ansprache beim Festakt am 3. Oktober in Bremen hatte Wulff vor dem Hintergrund der Integrationsdebatte gemahnt, das Verständnis einer Zugehörigkeit zu Deutschland nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben zu verengen.
 

Wulff: „Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Nach Ansicht des amtierenden EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), hat der Bundespräsident „nüchtern, sachlich und gelassen“ die deutsche Wirklichkeit beschrieben. Gegenüber idea begrüßte es Schneider, dass Wulff die Feiern zur deutschen Einheit genutzt habe, um das Thema Integration als Zukunftsherausforderung deutlich zu benennen. Die EKD unterstütze Wulffs Ermutigung an alle Bürger, ihre Talente und Fähigkeiten bei der Gestaltung der Gesellschaft einzubringen, ebenso wie die Abwehr von fundamentalistischen und rechten oder linken Extremisten. In Deutschland zu Hause zu sein, bedeute auch nach kirchlicher Überzeugung, die Verfassung und die in ihr festgeschriebenen Werte zu achten und zu schützen.

Widerspruch: Nicht der Islam, die Muslime gehören zu Deutschland

Dagegen forderte der Präsident der theologisch konservativen Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), dem Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ zu widersprechen. Mit dieser Aussage würden Befürchtungen zunehmender Islamisierung Deutschlands und Europas bestätigt und befördert. Die hier lebenden Muslime sollten das Christentum, das mit seiner Kultur und Tradition Deutschland geprägt habe, besser kennenlernen und achten. „Nicht der Islam gehört zu Deutschland, sondern die Muslime, die in Deutschland leben, sofern sie die Verfassung bejahen und leben und sich integrieren wollen“, sagte Rüß gegenüber idea. An christliche Politiker appellierte der Theologe, deutlicher zu den eigenen Wurzeln zu stehen. Es sei nicht hinnehmbar, dass Christen in islamischen Ländern benachteiligt, verfolgt, gefoltert und bedroht werden. Für sie müsse dieselbe Toleranz und Achtung gelten, wie sie Muslimen in Deutschland entgegengebracht werde.

Gegen eine Idealisierung des Islam

Einer der führenden evangelischen Islamexperten, Pfarrer Eberhard Troeger (Wiehl bei Gummersbach), bedauerte ebenfalls die Gleichsetzung von Christentum, Judentum und Islam. Dies sei ungeschichtlich gedacht, sagte er gegenüber idea. Während Christentum und Judentum seit nahezu 2.000 Jahren in Mitteleuropa präsent seien und die Gesellschaft prägten, gebe es hierzulande erst seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts größere islamische Gemeinschaften. Sie hätten selbstverständlich ein Recht auf Ausübung ihrer Religion. Allerdings dürfe der Respekt nicht zu einer Idealisierung des Islam führen. „Nicht nur islamische Fundamentalisten und Extremisten befürworten eine Islamisierung Deutschlands“, so Troeger

Zurückhaltung beim katholischen Weihbischof

Der katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke (Hamburg) äußerte sich zurückhaltend. Er begrüße es, dass Wulff den Muslimen die Hand reiche. Zugleich forderte er, die christliche Kultur und Tradition in Deutschland nicht preiszugeben. Muslime müssten die gewachsene Mehrheitskultur Land respektieren.