22. November 2017

Kinder eines mutmaßlichen Islamisten besuchen keine deutsche Schule

Quelle: idea.de

Nachwuchs wurde von Schulpflicht befreit – Kinder gehen auf König Fahd Akademie. Foto: Wikipedia/Hans Weingartz

Nachwuchs wurde von Schulpflicht befreit – Kinder gehen auf König Fahd Akademie. Foto: Wikipedia/Hans Weingartz

Essen (idea) – Die fünf Kinder eines mutmaßlichen Islamisten aus Essen besuchen aufgrund eines Verwaltungsfehlers auch gut zehn Monate nach dem Bekanntwerden des Falls keine staatliche Regelschule.
 

Stattdessen gehen sie nach wie vor in den Unterricht der umstrittenen König-Fahd-Akademie in Bonn. Das bestätigte das Schulverwaltungsamt am 1. Oktober auf idea-Anfrage. Die Kinder waren auf Antrag des aus dem Jemen stammenden Vaters bereits im Sommer 2009 von der Schulpflicht befreit worden. Für ausländische Kinder ist eine solche Befreiung in Ausnahmefällen möglich. Der Vater hatte regelmäßige Auslandsaufenthalte der Kinder im Jemen erwähnt und bei den Behörden den Eindruck eines Ausländerstatus erweckt. Tatsächlich sind die Kinder jedoch Deutsche. Auch ihr Vater wurde bereits im Jahr 1991 eingebürgert. Nachdem die Stadt ihren Irrtum im Januar bemerkt hatte, widerrief sie die Befreiung von der Schulpflicht. Dagegen klagte der Vater vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Ein Verhandlungstermin steht bis heute nicht fest, sagte ein Gerichtssprecher gegenüber idea. Solche Verfahren könnten sich ein Jahr oder länger hinziehen. Gegen eine Entscheidung könne der Vater dann das Oberverwaltungsgericht anrufen, was die Rechtskraft des Urteils nochmals erheblich hinauszögern würde. Ein Sprecher der Essener Stadtverwaltung betonte: Die Stadt werde alles tun, um das Verfahren zu beschleunigen. Ob die Stadt auch an die Einleitung von Jugendhilfemaßnahmen denkt, wollte der Sprecher nicht sagen. Der aus Saudi-Arabien finanzierten König-Fahd-Akademie in Bonn wurden in der Vergangenheit Kontakte zu islamistischen Kreisen vorgeworfen. Bei dem Vater der fünf Essener Kinder soll es sich um ein früheres Mitglied des seit 2002 verbotenen radikal-islamischen Al-Aksa-Vereins handeln. Die betroffenen Kinder sind zwischen sieben und 19 Jahren alt.