21. November 2017

Gemeinschaftspflege macht die Kirche attraktiv

Quelle: idea.de

Der Vorsitzende der württembergischen Vereinigung „Evangelium und Kirche“, Pfarrer Richard Mössinger. Foto: Privat

Der Vorsitzende der württembergischen Vereinigung „Evangelium und Kirche“, Pfarrer Richard Mössinger. Foto: Privat

Stuttgart (idea) – Über die Attraktivität der evangelischen Kirche entscheiden nicht neue Projekte und Programme, sondern ob es gelingt, als Gemeinschaft in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.
 

Davon ist der Vorsitzende der württembergischen Vereinigung „Evangelium und Kirche“, Pfarrer Richard Mössinger (Heilbronn), überzeugt. „Bevor wir irgendetwas nach außen tun, müssen wir als evangelische Christen sehr bewusst die gemeinschaftlichen Formen unseres Glaubens kennenlernen und pflegen“, sagte der Theologe bei der Jahrestagung, die am 15. und 16. Oktober in Stuttgart stattfand. Die Bedeutung der Kirche sei für kirchenferne Menschen am ehesten ersichtlich, wenn Kirchenmitglieder nicht als Einzelpersonen in Erscheinung träten, sondern als Angehörige einer vom Glauben geprägten Gemeinschaft. Dies könne sowohl bei Gottesdienstfeiern als auch im diakonischen Engagement sichtbar werden.

Warum eine katholische City-Gemeinde großen Zulauf hat

Mössinger ging in diesem Zusammenhang auf zwei Formen kirchlicher Präsenz in Frankfurt am Main ein, die unterschiedlich angenommen würden. Die evangelische Katharinenkirche an der Hauptwache versuche, mit einem umfangreichen kulturellen und politischen Programm „geistliche Ausstrahlungskraft auf die städtische Öffentlichkeit zu gewinnen“ und den Kirchenbau außerhalb der Gottesdienstzeiten zu füllen. Angeboten würden Andachten und Gebetszeiten als Verschnaufpause im Einkaufsstress, Konzerte und Dialogveranstaltungen über Kultur, Politik und Wirtschaft. Hinter dem Programm stünden allerdings nur wenige Mitarbeiter, so dass Besucher sich in der Kirche meist allein fühlten. Andere Erfahrungen mache die nur wenige Meter entfernte katholische Liebfrauenkirche. Sie stehe für „eine offene Präsenz in der City“, indem Kirche und Klosterhof täglich von 5.30 bis 21 Uhr offen stünden und zu Gebet, Gespräch, Gottesdienst, Andacht, Stille und Austausch einlüden. Für seelsorgerliche Gespräche stünden zehn Kapuzinermönche, drei Franziskanerinnen und eine Gruppe von Freiwilligen bereit. Jeden Morgen gebe es im Franziskustreff ein stark frequentiertes Frühstück für Obdachlose. Insgesamt kämen täglich über 1.000 Menschen in die Liebfrauenkirche, weil hier „ohne Experimente ganz selbstverständlich katholische Liturgie gefeiert wird – mit Sinn für Rituale und Symbole“, so Mössinger. Nach seinen Worten sollte die evangelische Kirche deshalb ihre Versuche überdenken, „mit hektischen Neuerungen“ Menschen erreichen zu wollen. Stattdessen sollte sie ihre Gemeinden stärken und ihre Mitglieder befähigen, öffentlich für den christlichen Glauben einzustehen.