19. November 2017

Evangelisation gehört ins Zentrum kirchlicher Arbeit

Quelle: idea.de

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Kapstadt (idea) – Mit einem Aufruf, Evangelisation weiter ins Zentrum christlicher und kirchlicher Arbeit zu stellen, ist am 17. Oktober im südafrikanischen Kapstadt die 3. Lausanner Konferenz für Weltevangelisation eröffnet worden.
 

An dem einwöchigen Treffen nehmen mehr als 4.000 Christen aus 197 Ländern teil. Es setzt die Reihe der Kongresse von 1974 in Lausanne (Schweiz) und 1989 in Manila (Philippinen) fort. Die Lausanner Bewegung für Weltevangelisation versteht sich als globales Netzwerk missionarisch gesinnter Christen und als Katalysator für Weltmission. „Lasst uns Evangelisation im Zentrum behalten“, rief der Vorsitzende des Lausanner Komitees, Doug Birdsall (Oxford/England), den Teilnehmern bei der Eröffnungsfeier in Kapstadt zu. Nur so könnten Christen auch künftig Salz der Erde und Licht der Welt sein. Er erhoffe sich von der Konferenz, dass sich die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt mit ihren Erfahrungen bereichern. Unter dem Applaus der Teilnehmer erbat Birdsall Gottes Segen für die chinesische Delegation, die nicht nach Kapstadt kommen konnte. Sie war von den Behörden der kommunistisch regierten Volksrepublik an verschiedenen Flughäfen festgehalten und an der Ausreise gehindert worden.

China wollte nur Vertreter staatlich anerkannter Kirchen ausreisen lassen

Nach Angaben der US-Hilfsorganisation China Aid Association (Midland/Bundesstaat Texas) sind die mehr als 200 noch Kapstadt eingeladenen Repräsentanten von staatlich nicht-registrierten Hauskirchen bereits im Vorfeld von Behördenvertretern aufgesucht und befragt worden. Im Hintergrund stünden Auseinandersetzungen zwischen den nicht-registrierten Hausgemeinden und den Dachorganisationen der staatlich anerkannten Protestanten, dem Chinesischen Christenrat und der Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung. Die Regierung habe von den Lausanne-Organisatoren verlangt, dass nur Vertreter staatlich anerkannter Gemeinden eingeladen werden. Doch diese hätten unter anderem eine Voraussetzung nicht erfüllen können, nämlich sich uneingeschränkt zur Glaubensgrundlage, der „Lausanner Verpflichtung“, zu bekennen. Dort heißt es unter anderem, die Gemeinden sollten das Evangeliums ohne staatliche Einmischung verkünden können. Die Drei-Selbst-Bewegung habe es auch abgelehnt, Beobachter statt offizieller Delegierter nach Kapstadt zu entsenden. Die meisten Christen in der Volksrepublik China versammeln sich in nicht registrierten Hausgemeinden, weil sie sich nicht der Kontrolle des Staates unterwerfen wollen. Der Christenrat und die Drei-Selbst-Bewegung repräsentieren etwa 18 Millionen Protestanten. Schätzungen über die Gesamtzahl der Christen in China schwanken zwischen 40 Millionen und 130 Millionen.

„Vitalität der Kirche ist hier besonders zu spüren“

Erstmals wird eine Lausanner Weltkonferenz in Partnerschaft mit der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) durchgeführt. Auch diese Dachorganisation von rund 420 Millionen Evangelikalen zeigte sich in einer Stellungnahme betroffen und enttäuscht über die Abwesenheit chinesischer Teilnehmer: „Auf diese Weise fehlt der Eindruck aus einer der bedeutendsten Nationen.“ WEA-Generalsekretär Geoff Tunnicliffe (New York), sagte bei der Eröffnung der Kapstadter Konferenz, es tue gut, in Afrika zu sein: „Die Vitalität der Kirche ist hier besonders zu spüren.“ Wie Tunnicliffe ferner betonte, wolle man die Zusammenarbeit mit dem Lausanner Komitee unbedingt fortsetzen. In einer Zeit, in der die Kirche weithin gespalten und zerrüttet erscheine, sei es besonders wichtig, Einheit und Einmütigkeit in Christus zu zeigen, erklärte er. Globale Herausforderungen wie Atheismus auf der einen und religiöser Extremismus auf der anderen Seite, Armut oder Umweltverschmutzung erforderten globale Antworten: „Wir müssen zusammenkommen, um diese Antworten anzupacken.“

Graham betet täglich für Konferenz

Birdsall richtete auch Grüße vom „Vater“ der Lausanner Bewegung, dem US-amerikanischen Evangelisten Billy Graham (Montreat/Bundesstaat North Carolina), aus. In einem Brief versicherte der 92-Jährige, dass er „täglich für diese historische Konferenz“ bete. Politisch, wirtschaftlich und religiös habe sich die Welt seit den ersten beiden Konferenzen stark verändert, nicht aber die Botschaft der Bibel und der Missionsbefehl Jesu. Auch der englische Theologe John Stott (89), der 1974 die „Lausanner Verpflichtung“ geprägt hatte, grüßte die Teilnehmer schriftlich. Die Herausforderung, die Einzigartigkeit Christi weltweit bekannt zu machen, sei von zeitloser Aktualität. Für den afrikanischen Kontinent begrüßte der anglikanische Erzbischof Henry Orombi (Kampala) aus Uganda die Besucher.

Neue Medien für Evangelisation nutzen

Einige zentrale Themen, die in Kapstadt behandelt werden: Wie gehen Christen mit Globalisierung, Umweltkrisen und Armut um? Wie können neue Medien sinnvoll für die Evangelisation eingesetzt werden? Wie beeinflusst das ständige Wachstum der Städte die Art und Weise der Evangelisation? Oder: Wie kann Partnerschaft gelingen, ohne dass die Starken die Schwachen überwältigen?