18. November 2017

Deutsche Einheit: Grund zum Danken, nicht zum Jammern

Quelle: idea.de

Altbischof Noack: Froh, dass die Gängelung der Christen vorbei ist.

Altbischof Noack: Froh, dass die Gängelung der Christen vorbei ist.

Woltersdorf (idea) – Die Deutsche Einheit ist für die Kirche ein Grund zum Danken, nicht zum Jammern. Man könne froh sein, dass die Zeit des Wahlbetrugs, der Überwachung durch die Stasi und der Gängelung von Christen vorbei ist.
 

Das sagte der frühere Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Prof. Axel Noack (Halle/Saale). Er sprach am 1. Oktober vor der Mitgliederversammlung der Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften (Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband) in Woltersdorf bei Berlin. Noack, der an der Universität Halle Kirchengeschichte lehrt, sprach über das Thema „20 Jahre auf dem Weg zur Einheit“. Er erinnerte daran, dass sich der Bund evangelischer Kirchen (BEK) in der DDR zunächst schwer damit getan habe, mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu fusionieren. Der BEK war wegen der deutschen Teilung 1969 gegründet worden und löste sich 1991 zugunsten der EKD wieder auf. Noch im Mai 1990 ging der Vorsitzende des BEK, Bischof Christoph Demke (Magdeburg), davon aus, dass die kirchliche Vereinigung noch „fünf bis sieben Jahre“ dauern würde.

Bitternis weitgehend überwunden

Heute sei die Bitternis darüber, dass von der DDR fast nichts Bestand gehabt habe, weitgehend überwunden, so Noack. Viele Christen in Ostdeutschland seien zunächst besorgt gewesen über die Einführung der Kirchensteuer, der Militärseelsorge und des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen. Man fürchtete, dass die Kirche dem Staat dadurch zu nahe rücke. Inzwischen habe sich gezeigt, dass sich diese Veränderungen bewährt haben. So hätten in der DDR die Verwaltungskosten für die Einziehung der Kirchensteuer durch die Kirche 15 Prozent betragen. Dagegen fielen bei der heutigen Erhebung der Kirchensteuer durch den Staat nur 3 Prozent Verwaltungskosten an. Auch der Religionsunterricht an staatlichen Schulen biete Vorteile. Durch ihn erreiche man viel mehr Kinder als mit der „Christenlehre“ in der DDR. Über die Kinder kämen christliche Themen auch wieder an den Küchentisch der Eltern. Noack: „Die Kinder lehren heute die Eltern – nicht mehr umgekehrt.“