22. November 2017

Das Evangelium mutig in Wort und Tat verkünden

Quelle: idea.de

Der Internationale Direktor der Lausanner Bewegung, Lindsay Brown.

Der Internationale Direktor der Lausanner Bewegung, Lindsay Brown.

Kapstadt (idea) – Christen sollen die Botschaft von Jesus Christus mutig in Wort und Tat weitergeben. Mit diesem Aufruf ist am 24. Oktober im südafrikanischen Kapstadt die größte christliche Tagung des Jahres, der 3. Lausanner Kongress für Weltevangelisation, zu Ende gegangen.
 

Acht Tage lang hatten mehr als 4.000 evangelikale Christen aus 197 Ländern – mehr als zwei Drittel aus Afrika, Asien und Lateinamerika – über die Möglichkeiten der Mission und die Zukunft der Kirchen diskutiert. Die „Lausanner Bewegung für Weltevangelisation“, die das Treffen in Zusammenarbeit mit der Weltweiten Evangelischen Allianz organisierte, versteht sich als Netzwerk missionarisch gesinnter Christen und als Katalysator für die Weltmission. Wie der Internationale Direktor der Lausanner Bewegung, Lindsay Brown (Monmouth/Wales), im Schlussgottesdienst sagte, müsse das Reden und Handeln von Christen übereinstimmen: „Unser Vorbild ist Jesus, der beides tat – er sprach zu den 5.000 und gab ihnen zu essen.“

Nicht für Begriff „Evangelikale“ schämen

Christen sollten nicht entmutigen lassen, wenn die Früchte ihrer Arbeit nicht sofort zu erkennen seien. Ein Blick in die Geschichte zeige, dass viele Missionare den Grundstein für eine blühende Gemeinde legten, diese Entwicklung selbst aber nicht mehr erlebten. Brown ermutigte Missionswerke, ihre Kräfte zu bündeln: „Wir können nicht vom Wettbewerbsdenken angetrieben werden. Wir müssen Platz schaffen für einen Geist der Partnerschaft.“ Er hoffe, dass infolge des Lausanner Kongresses viele solche Kooperationen entstehen. Brown rief die Kongressteilnehmer auf, sich nicht für die Bezeichnung „Evangelikale“ zu schämen. Weder sei der Begriff neu, noch westlich geprägt. Er bedeute schlicht „evangeliumszentriert“.

Repräsentativste Zusammenkunft der Evangelikalen

Der Vorsitzende der Lausanner Bewegung, Doug Birdsall (Oxford/England), würdigte den Kongress als „repräsentativste Zusammenkunft evangelikaler Christen in der Geschichte“. Das Treffen sei eine beeindruckende Präsentation von Einheit, Vielfalt und Lebendigkeit gewesen. Er hoffe, „dass Gott durch Kapstadt 2010 ein Feuer legt, das nicht wieder verlöscht, sondern sich weiter ausbreitet“, sagte Birdsall mit Blick auf Äußerungen des englischen Theologen John Stott (89), der nach dem ersten Kongress für Weltevangelisation im Schweizerischen Lausanne 1974 erklärt hatte, viele Konferenzen seien wie ein Feuerwerk.

Weithin positives Fazit deutscher Teilnehmer

Teilnehmer der Konferenz zogen ein überwiegend positives Fazit. „Ich hoffe sehr, dass auch der 3. Lausanner Kongress für Weltevangelisation eine weite und tiefe Wirkungsgeschichte entfaltet“, erklärte der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), gegenüber idea. Der erste Kongress 1974 habe sich volksmissionarisch nachhaltig in Deutschland ausgewirkt: Aus dem 1975 geplanten Bekenntnistag „Gemeindetag unter dem Wort“ in Stuttgart sei zum Beispiel ein volksmissionarischer Tag der Glaubensermutigung und Glaubensstärkung geworden, dem viele folgten. Von „Lausanne“ inspiriert wurden auch das Jugendtreffen „Christival“, die Evangelisation „ProChrist“, das „Missionarische Jahr“ 1980 oder das Treffen für missionarischen Gemeindeaufbau „Missionale“ in Köln.

Gäckle: „Penetrant untheologisch“

Der Generalsekretär der Arbeitgemeinschaft Missionarische Dienste in der EKD, Oberkirchenrat Erhard Berneburg (Berlin/Hannover), erklärte bei einem Abschlusstreffen der 90-köpfigen deutschen Delegation (aus der Schweiz waren 21 Delegierte nach Kapstadt gereist), er wünsche sich, dass ein Teil der Dynamik der evangelikalen Bewegung in die EKD überschwappe, auch wenn es bei dem Kongress „große theologische Leerstellen“ gegeben habe. Der Direktor des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, Pfarrer Volker Gäckle (Bad Liebenzell), sagte, der Kongress sei „penetrant untheologisch“. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere Heilsarmee-Offizier Frank Heinrich (Chemnitz) meinte, es habe ihn beeindruckt, dass der Kongress eine breite und am Alltag orientierte Frömmigkeit präsentiert hat und keinesfalls nur Themen, die sonst gern mit Evangelikalen assoziiert würden, wie ein Wohlstandsevangelium, Heilung oder Homosexualität. Wie er gegenüber idea sagte, sollten sich Christen sich bei Fragen der Religionsfreiheit oder weltweiter Armut häufiger an die Politik wenden: „Das sind nicht nur Themen für das Gebet.“

„Kapstädter Verpflichtung“ formuliert Glaubensgrundlagen

In der Tradition der beiden Vorgängertreffen 1974 in Lausanne (Lausanner Verpflichtung) und 1989 in Manila (Manifest von Manila) wurde auch in Kapstadt eine Erklärung herausgegeben – die Kapstädter Verpflichtung (Cape Town Commitment). Die Kongressteilnehmer erhielten zunächst nur den ersten Teil, der die Glaubensgrundlagen evangelikaler Christen in heutiger Sprache darstellt. Der zweite Teil, in dem es um den sozialen Aspekt des christlichen Glaubens gehen wird, soll Ende November veröffentlicht werden (Internet: www.lausanne.org). Der nächste Lausanner Kongress für Weltevangelisation könnte nach Birdsalls Angaben in zehn bis 15 Jahren stattfinden. Vertreter aus Lateinamerika, China, Korea und Nordamerika hätten bereits Einladungen ausgesprochen. Konkrete Pläne gebe es aber noch nicht. Neben den Teilnehmern in Kapstadt weltweit mehr als 100.000 Menschen an 650 Orten den Lausanner Kongress per Videoübertragungen und über das Internet.