22. November 2017

20 Jahre Deutsche Einheit: Ein Grund zum Danken

Quelle: idea.de

Bischof Franz-Josef Bode: Wer nur den eigenen Vorteil im Blick hat, gefährdet die Einheit.

Bischof Franz-Josef Bode: Wer nur den eigenen Vorteil im Blick hat, gefährdet die Einheit.

Bremen/Rasdorf (idea) – Zu Dankbarkeit sowie Verständnis und Respekt untereinander haben Vertreter aus Kirche und Politik anlässlich des 20. Jahrestags der Wiedervereinigung am 3. Oktober aufgerufen.
 

In einem ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt der zentralen Feierlichkeiten im Bremer Dom brachte der katholische Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode seinen Dank für die Errungenschaften der friedlichen Revolution zum Ausdruck. Vieles sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten an Einsatz und Bereitschaft zur Erneuerung eingebracht worden. Allerdings sprach der Bischof vor den rund 1.100 Gästen auch kritische Punkte an: So sei durch die Wende nicht nur „positives Wachstum“ hervorgebracht worden. Manches sei von Profitgier, der Herrschaft des Marktes und dem „Gestrüpp undurchsichtiger Machenschaften“ überwuchert worden. Der Schriftführer (Geistliche Leiter) der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor Renke Brahms, prangerte eine wachsende soziale Spaltung der Gesellschaft an. Die Grenze verlaufe dabei nicht mehr zwischen Ost und West, sondern auch zwischen Nord und Süd. Wer statt des notwendigen und gerechten Obolus für die Allgemeinheit nur den eigenen Bonus im Blick habe, gefährde die Einheit.

Wulff würdigt Rolle der Kirchen

Beim anschließenden Festakt würdigte Bundespräsident Christian Wulff die Rolle der Kirchen auf dem Weg zur Deutschen Einheit. Sie hätten dem aufbrechenden Mut zur Freiheit ein Obdach geboten. „Es begann mit den Montagsgebeten und den Montagsdemonstrationen. Erst gingen wenige, dann immer mehr Mutige auf die Straßen, überall in Ostdeutschland“, sagte Wulff. Gleichzeitig brachte er zum Ausdruck, dass man das Verständnis einer Zugehörigkeit zu Deutschland nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengen solle. „Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“

Einheit ist noch nicht vollendet

In Rasdorf warb der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Martin Hein (Kassel), dafür, weitere Anstrengungen zu unternehmen, um die Einheit voranzutreiben. In einem Gottesdienst an der Gedenkstätte „Point Alpha“ sagte er, das Projekt der Deutschen Einheit sei „längst nicht abgeschlossen“. Hein sprach sich in diesem Zusammenhang gegen eine Abschaffung des Solidaritätszuschlags aus. Ein geeintes Deutschland gebe es nicht zum Nulltarif. Nur mit den nötigen Finanzen werde es gelingen, allmählich vergleichbare Lebensverhältnisse in beiden Teilen Deutschlands zu schaffen. Zudem würdigte der Bischof das Verhalten der Christen in der damaligen DDR. Sie seien mit Gottvertrauen, Beharrlichkeit und Zuversicht für die Freiheit eingetreten. Am „Point Alpha“ befand sich einer von vier Beobachterstützpunkten der US-Armee an der hessischen innerdeutschen Grenze.