13. Dezember 2017

Warum fällt es schwer, Kranke zu besuchen?

Quelle: idea.de

Christine Schollmeier: Plädoyer für gelassenen Umgang von MS-Betroffenen untereinander.

Christine Schollmeier: Plädoyer für gelassenen Umgang von MS-Betroffenen untereinander.

Herford (idea) – Warum fällt es Menschen oft schwer, Kranke und Behinderte zu besuchen?
 

Dieser Frage ging die Heilsarmee-Offizierin Christine Schollmeier (Hamburg) bei einem Treffen des Christlichen MS-Netzwerkes in Herford nach. Dies ist ein Zusammenschluss von Menschen, die an Multiple Sklerose (MS) erkrankt sind. Ein Besuch bei Kranken auf Intensivstationen falle ihr nicht schwer, berichtete Frau Schollmeier, die selbst seit 30 Jahren MS krank ist. Problematisch sei es, „wenn es darum geht, MS-Betroffenen zu begegnen, denen es schlechter geht als mir“. Und auch vielen Gesunden falle es schwer, Kranke zu besuchen, sagte die Theologin. Auslöser für manche Hemmungen seien Schuldgefühle und falsch verstandene Rücksichtnahme. Etwa die Frage: „Warum geht es mir so viel besser als dem anderen? Das ist doch ungerecht!“ Oder: „Mein Gegenüber wird nur deprimiert sein über meinen guten Zustand. Das kann ich ihm nicht zumuten.“ Daneben sei Angst ein weiterer Grund, Kontakte zu meiden. Vielen mache die Vorstellung Angst, selber ähnliche Einschränkungen erleiden zu müssen. Die Referentin machte den MS-Kranken und ihren Angehörigen Mut, sich diesen Berührungsängsten zu stellen und sie mit Gottes Hilfe zu überwinden. Es gelte, Ruhe und Gelassenheit bei Gott zu finden. Dann könne man sich auch wieder dem Nächsten zuwenden.

Kein Platz für Rollstühle in Herforder Hotels

Gegenüber idea zeigte sich die Vorsitzende des Christlichen MS-Netzwerkes, die ebenfalls an MS leidende ehemalige Oberärztin Andrea Wiedner (Herford), betroffen darüber, dass sie in ganz Herford kein einziges Hotel gefunden habe, das rollstuhlgerecht eingerichtet ist: „Behinderte werden in unserer Gesellschaft immer noch diskriminiert.“ Diese Benachteiligungen beträfen auch andere Lebensbereiche. So habe sie im Gespräch mit Teilnehmern erfahren, dass einem Ehepaar von den Behörden nicht erlaubt wurde, ein Adoptiv- oder Pflegekind aufzunehmen, weil der Ehemann an MS erkrankt ist. Seit neun Jahren lebe nun doch ein Kind in der Familie, weil sie in den USA ein Kind adoptieren konnten. Dies hätten sie als Geschenk Gottes erlebt. „Wie gut, dass jeder von uns bei Gott wertgeschätzt ist“, meinte dazu Andrea Wiedner. Zum Christlichen MS-Netzwerk gehören rund 300 MS-Betroffene aus ganz Deutschland.