23. September 2017

USA: Findet die Koran-Verbrennung statt oder nicht?

Quelle: idea.de

Terry Jones: Das Vorhaben befindet sich „in der Warteschleife“

Terry Jones: Das Vorhaben befindet sich „in der Warteschleife“

Gainesville (idea) – Verwirrung um die geplante Koran-Verbrennung in den USA: Nachdem Prediger Terry Jones (Gainesville/Florida) nach Gesprächen mit einem islamischen Geistlichen das Vorhaben zunächst abgesagt hatte, änderte er seine Meinung.
 

Die Pläne, 200 Exemplare des Korans am 11. September öffentlich zu verbrennen, befänden sich „in der Warteschleife“, erklärte der 58-jährige Pastor des 50 Mitglieder zählenden Dove World Outreach Centers (Weltmissionszentrum Taube) am 9. September. Unterdessen hat der Baptistenpastor Bob Old (Springfield/Tennessee) angekündigt, er werde einen Koran öffentlich verbrennen und ein Video von der Aktion ins Internet stellen. Die geplante Koranverbrennung hat weltweit einhellig Empörung und Proteste in Politik, Kirchen, Judentum und Islam ausgelöst. In überwiegend muslimischen Ländern werden gewalttätige Aktionen erboster Muslime befürchtet, darunter auch Vergeltungsanschläge auf die internationale Friedenstruppe ISAF in Afghanistan. Der Koran ist für Muslime ein heiliges Buch; eine Verbrennung würde als eine Kriegserklärung gegen ihren Glauben gewertet. In Deutschland haben Bundeskanzlerin Angela Merkel, die EKD, die Deutsche Evangelische Allianz, Muslim-Verbände und der Zentralrat der Juden die Koran-Verbrennung verurteilt. Der Zentralrat der Muslime rief zur Besonnenheit auf. Muslime sollten die demokratischen Mittel nutzen, um ihre Kritik und Enttäuschung auszudrücken.

Kölner Gemeinde gab Jones den Laufpass

Jones war bis 2008 mehr als 20 Jahre in Deutschland tätig. Er leitete die Christliche Gemeinde Köln, die nach Angaben ehemaliger Mitarbeiter immer stärker sektiererische Züge annahm. Wegen unhaltbarer theologischer Aussagen und Geltungssucht gab ihm die Gemeinde vor zwei Jahren den Laufpass. Die jetzige Leitung kritisiert die Koran-Verbrennung: „Wir distanzieren uns von dieser Aktion und möchten damit nicht in Verbindung gebracht werden.“ Jones hält den Islam für eine hasserfüllte Religion. Mit der Bücherverbrennung wolle man Muslimen eine Chance zur Bekehrung zum christlichen Glauben geben. Die Aktion stellt eine besondere Provokation dar: Sie soll am 11. September, dem neunten Jahrestag der Terroranschläge auf das New Yorker Welthandelszentrum stattfinden. Das Datum markiert in diesem Jahr auch das Fastenbrechen nach dem islamischen Fastenmonat Ramadan.

„Tauschhandel“ abgelehnt

Eine Wende schien sich anzubahnen, nachdem US-Verteidigungsminister Robert Gates Jones telefonisch aufgefordert hatte zu bedenken, dass er das Leben von US-Soldaten gefährde. Imam Muhammad Musri, Präsident der Islamischen Gesellschaft von Zentral-Florida, führte ebenfalls Gespräche mit Jones. Dieser stellte eine Absage der von der Feuerwehr verbotenen Koran-Verbrennung in Aussicht, wenn ein geplantes Islam-Zentrum mit Moschee nahe Ground Zero in New York an einen weiter entfernten Standort verlegt würde. Eine Moschee beim Ort der Anschläge islamistischer Terroristen vom 11. September 2001, bei denen fast 3.000 Menschen getötet wurden, sei eine Provokation. Musri bot laut Presseberichten an, Kontakt mit dem geistlichen Anführer der Cordoba-Initiative herzustellen, die das Islam-Zentrum errichten will. Der als gemäßigt geltende Imam Feisal Abdul Rauf lehnte jedoch einen „Tauschhandel“ ab. Daraufhin erklärte Jones, er fühle sich von Musri hinters Licht geführt. Deshalb sage er die Koran-Verbrennung nicht ab; das Vorhaben befinde sich „in der Warteschleife“. Der Milliardär Donald Trump hat unterdessen angeboten, das New Yorker Grundstück für das 78 Millionen Euro teure Islam-Zentrum mit einem Aufschlag von 25 Prozent aufzukaufen.

Evangelische Allianz will Jones umstimmen

Die von Jones geleitete Gemeinde wird von Beobachtern am extremen Rand der evangelikalen Bewegung eingeordnet. Sie zählt nicht zur Evangelischen Allianz, die die Koran-Verbrennung scharf verurteilt. Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA), die 420 Millionen Evangelikale repräsentiert, versucht, Jones von seinen Plänen abzubringen. Generalsekretär Geoff Tunnicliffe (New York), hat angeboten, zu der etwa 50 Mitglieder zählenden Gemeinde zu sprechen. Die WEA hat ebenso wie die Evangelische Allianz in den USA (NAE) die Koran-Verbrennung als unvereinbar mit dem christlichen Glauben bezeichnet. Unterdessen hat das Institut für Religion und Politik (Alexandria/Virginia) angekündigt, in Zusammenarbeit mit der Militärischen Stiftung für Religionsfreiheit für jeden verbrannten Koran ein Exemplar zu stiften und es in Afghanistan zu verteilen.