13. Dezember 2017

Religion verliert bei jungen Deutschen an Bedeutung

Quelle: idea.de

Gottesglaube ist weniger als einem Viertel der jungen Protestanten wichtig.

Gottesglaube ist weniger als einem Viertel der jungen Protestanten wichtig.

Berlin (idea) – Religion spielt für die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Das geht aus der 16. Shell-Jugendstudie hervor, die am 14. September in Berlin vorgestellt wurde. Dazu wurden rund 2.600 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt.
 

Für etwa jedes vierte Mitglied der beiden großen Kirchen hat der Gottesglaube eine besonders wichtige Bedeutung im Leben – für 27 Prozent der katholischen und 23 Prozent der evangelischen Jugendlichen. Eine weit größere Rolle spielt Religion bei jungen Menschen ausländischer Herkunft: Für 67 Prozent ist der Glaube an Gott besonders wichtig. Zu dieser Gruppe gehören neben orthodoxen Christen vor allem Muslime. Die Bedeutung christlicher Religiosität gehe weiter zurück, führe jedoch in der Regel nicht in die Konfessionslosigkeit, so die Studie. Viele westdeutsche Jugendliche wollten sich eine letzte Rückversicherung bei der Religion erhalten, während viele Ostdeutsche mit diesem Kapitel schon seit längerem abgeschlossen hätten.

Gottesverständnis wandelt sich

Deutlich abgenommen habe bei katholischen wie evangelischen Jugendlichen ein Gottesverständnis, das „in klassisch-christlicher Weise ein persönliches Gegenüber Gottes ausdrückt“. 32 Prozent der jungen Katholiken und 26 Prozent der Protestanten glauben der Studie zufolge an einen persönlichen Gott; dagegen haben 57 Prozent der Jugendlichen anderer Religionen ein solches Gottesverständnis. Von den katholischen Jugendlichen könne man 54 Prozent als religiös einstufen, heißt es. 2006 waren es noch 63 Prozent. Auch bei evangelischen Jugendlichen ging der Anteil der Religiösen zurück – von 52 auf 49 Prozent. Deutlich zugenommen hat dagegen der Anteil religiöser Jugendlicher außerhalb des Christentums – von 72 auf 81 Prozent.

13 Stunden pro Woche online

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Das Internet ist für Kinder und Jugendliche das Massenmedium Nummer eins. 96 Prozent haben einen Internetzugang. Sie sind durchschnittlich 13 Stunden pro Woche online – fast doppelt so lang wie 2002. Meist werde das Internet als soziales Netzwerk genutzt, so die Studie.

Mission verstärken

Auf idea-Anfrage äußerten sich Repräsentanten der kirchlichen Jugendarbeit und der EKD zu den Ergebnissen der Studie. Der designierte Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes, Roland Werner (Marburg), sagte, wenn die evangelische Kirche nicht in die Bedeutungslosigkeit abrutschen wolle, müsse sie ihre missionarischen Bemühungen verstärken und neue, kreative Wege entdecken. Werner: „Offensichtlich erreichen wir mit unseren traditionellen Angeboten große Teile der jungen Generation nicht.“ Thorsten Riewesell (Kassel), Referent beim Deutschen Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC), spürt nach eigenen Angaben in seiner Arbeit, dass die Distanz zum christlichen Glauben größer werde. Dies hänge damit zusammen, dass in Familie und Schule über Gott oft nicht mehr gesprochen werde. Riewesell: „Wir müssen es wieder lernen, Gottes Wort so in den Alltag der Jugendlichen zu dolmetschen, dass der christliche Glaube praktisch erlebbar wird.“

Wie glaubwürdig sind die Zahlen?

Der Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend, Mike Corsa (Hannover), warnte vor voreiligen Schlüssen. Die Zahl der evangelischen Jugendlichen, für die Gott eine wichtige Rolle spiele, sei gegenüber der Shell-Studie 2006 stabil geblieben. Zudem stehe jeder fünfte evangelische Jugendliche dem Glauben offen gegenüber. Corsa: „Es gibt also Jugendliche, für die Gott heute keine Rolle spielt, die aber morgen zum ‚Christival’ fahren.“ Der Vorsitzende der EKD-Kammer für Bildung, Erziehung, Kinder und Jugend, Prof. Friedrich Schweitzer (Tübingen), sagte, er zweifle an der Gültigkeit der Shell-Studie. Diese pflege seit 25 Jahren ein Vorurteil gegenüber Religion. So gehe die Studie nur sehr oberflächlich auf Fragen nach dem Glauben ein. Die Frage, ob man an Gott glaube, werde gar nicht erst gestellt. Schweitzer verwies auf eine repräsentative EKD-Studie aus dem Jahr 2009. Für diese wurden 11.000 Konfirmanden aus den 22 Landeskirchen der EKD befragt. Danach glauben 85 Prozent der evangelischen Jugendlichen an Gott. Schweitzer: „Dieser Wert steht empirisch auf sehr festen Füßen.“