21. September 2017

Koran-Verbrennung: Evangelikale wollen Prediger umstimmen

Quelle: idea.de

Evangelische Allianz will Absage der Aktion erreichen – bisher vergeblich.

Evangelische Allianz will Absage der Aktion erreichen – bisher vergeblich.

Gainesville (idea) – Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) hat bisher vergeblich versucht, den extremistischen Prediger Terry Jones (Gainesville/US-Bundesstaat Florida) von der geplanten Koran-Verbrennung abzubringen.
 

Der Internationale Direktor der WEA, Geoff Tunnicliffe (New York), hat dem 58-jährigen Pastor des Dove World Outreach Center (Weltmissionszentrum Taube) angeboten, am 10. September – einen Tag vor der geplanten Verbrennung von etwa 200 Exemplaren des Korans – zu seiner etwa 50 Mitglieder zählenden Gemeinde zu sprechen. Jones, der bis 2008 mehr als 20 Jahre in Deutschland tätig war, erklärte nach Angaben der Zeitung Christian Post, er werde Tunnicliffe nicht abweisen. Über die Aktion, die weltweit Empörung ausgelöst hat, denke er nach und bete darüber, aber er halte an seinem Vorhaben fest. Im Nachrichtensender CNN sagte Jones, nehme die Bedenken des Kommandeurs der ISAF-Truppen in Afghanistan, General David Petraeus, ernst, der vor Vergeltungsanschlägen gewarnt hat. Nach Ansicht des Generals spielt die Aktion den Taliban und anderen Extremisten in die Hände. Dass Jones die Einwände ernst nimmt, bedeutet nicht, dass er seine Pläne aufgibt. Er hält den Islam für eine hasserfüllte Religion. Man wolle Muslimen eine Chance zur Bekehrung zum christlichen Glauben geben. Die geplante Aktion stellt eine besondere Provokation dar: Sie soll am 11. September, dem neunten Jahrestag der Terroranschläge auf das New Yorker Welthandelszentrum stattfinden. Das Datum markiert in diesem Jahr auch das Fastenbrechen nach dem islamischen Fastenmonat Ramadan.

Gemeinde gehört nicht zur Evangelischen Allianz

Wie Tunnicliffe betonte, ist das Dove World Outreach Center kein Mitglied der WEA oder der Evangelischen Allianz der USA (NAE). Manche Beobachter ordneten die Gemeinde jedoch dem Rande der evangelikalen Bewegung zu. Das Weiße Haus, das US-Außenministerium und führende Vertreter der rund 420 Millionen Evangelikalen, die die WEA repräsentiert, hätten ihn um Intervention gebeten. Er solle versuchen, Jones von seinen Plänen abzubringen und die Koran-Verbrennung abzusagen.

„Ein Extremist“ kein Maßstab für alle Christen

Darauf dringt auch die NAE, die etwa 30 Millionen Evangelikale repräsentiert. Die geplante Aktion stehe im Gegensatz zur christlichen Botschaft, erklärte NAE-Präsident Leith Anderson (Washington). Die NAE bemühe sich um Verständigung mit Anhängern anderer Religionen und stehe für Religionsfreiheit ein. Anderson appellierte an Muslime, nicht alle Christen wegen „eines Extremisten“ über einen Kamm zu scheren. Jones sei kein Maßstab für 300 Millionen Amerikaner, die niemals einen Koran verbrennen würden. Unterdessen wächst in Gainesville der Widerstand. Etwa ein Dutzend Gegendemonstrationen seien geplant, berichtet die Zeitung New York Times.

EKD: „Unerträgliche Provokation“

In den USA haben auch der Nationale Kirchenrat sowie Vertreter von Juden und Muslimen die geplante Koran-Verbrennung scharf verurteilt. Der US-Zweig des Hilfswerks Open Doors, das sich für verfolgte Christen einsetzt, befürchtet Anschläge auf christliche Minderheiten in muslimischen Ländern. Außenministerin Hillary Clinton nannte die geplante Koran-Verbrennung schändlich. Ähnlich äußerten sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Vereinten Nationen, der Vatikan und der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK). In Deutschland distanzierten sich die EKD und die Deutsche Evangelische Allianz von der Aktion. Diese „unerträgliche Provokation“ sei unvereinbar mit dem christlichen Glauben, erklärte EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte (Hannover).

Allianz: „Unsinniges Vorhaben“

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth (Wetzlar), schreibt in einer Pressemitteilung: „Wir hoffen, dass diese Gruppe in den USA von ihrem unsinnigen Vorhaben ablässt. Mit christlichem Glauben hat das jedenfalls überhaupt nichts zu tun!“ Die Allianz erinnert daran, dass Jones früher die Christliche Gemeinde Köln leitete. 2008 habe sie ihn wegen unhaltbarer theologischer Aussagen und Geltungssucht von der Leitung entbunden. Bereits 2002 hatte ihn das Kölner Amtsgericht wegen Führens eines falschen Doktortitels zu einer Geldbuße von 3000 Euro verurteilt. Die Kölner Gemeinde kritisiert die geplante Koran-Verbrennung: „Wir distanzieren uns von dieser Aktion und möchten damit nicht in Verbindung gebracht werden.“