21. September 2017

Istanbuler Pfarrer: Für Religionsfreiheit einsetzen

Quelle: idea.de

Der Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde in Istanbul, Holger Nollmann. Foto: idea/Ottmar

Der Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde in Istanbul, Holger Nollmann. Foto: idea/Ottmar

Duisburg (idea) – Christen sollten sich sowohl für ihre verfolgten Glaubensgeschwister als auch für die Religionsfreiheit aller Menschen einsetzen. Dazu hat der Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde in Istanbul, Holger Nollmann, bei der Sondersynode der Evangelischen Kirche im Rheinland am 4. September in Duisburg aufgerufen.
 

Mit der außerordentlichen Tagung des Kirchenparlaments erinnerte die Landeskirche an die erste Reformierte Generalsynode vor 400 Jahren in der Duisburger Salvatorkirche. Damals wurde die Grundlage für die presbyterial-synodale Ordnung geschaffen, die die Leitung der Kirche zwischen Theologen und Nicht-Theologen aufteilt. Nollmann lobte in einem Vortrag das deutsche Modell der „fördernden Neutralität“ des Staates. Demnach verpflichtet sich der Staat, die Religionsgemeinschaften ohne Parteinahme als wichtige Elemente der Zivilgesellschaft zu fördern. „Nicht zuletzt aufgrund meiner Erfahrungen mit dem türkischen Religionsrecht, das eine Mischung aus einem Gefahrenabwehr-Laizismus und einer aus Gründen der Staatsraison strikt hierarchischen Behandlung der Religionen darstellt, strahlt das bundesdeutsche Modell in besonders hellem Licht“, sagte der EKD-Auslandspfarrer. In der Türkei gelte es, für dieses Modell zu werben. Es müsse erwartet werden, dass in einem Land, das Mitglied der EU werden wolle, auch das Recht auf Mission gewährleistet werde. Zudem machte sich Nollmann für den interreligiösen Dialog stark. Er sei für die Weiterentwicklung der Religionsfreiheit von entscheidender Bedeutung. Die unterdrückten Christen gelte es sowohl im Gebet als auch im gesellschaftspolitischen Engagement zu unterstützen. Über 95 Prozent der 72 Millionen Einwohner der Türkei sind Muslime und etwa 120.000 Christen. Kirchen haben unter Benachteiligungen zu leiden.

Eberl: Religionsunterricht ist unverzichtbar

Für gerechtere Bildungsbedingungen sprach sich der Leiter der Abteilung Bildung der rheinischen Kirche, Oberkirchenrat Klaus Eberl (Düsseldorf), aus. Dabei sei auch die Religion wichtig. „In unserer pluralen Gesellschaft ist der Religionsunterricht unverzichtbar“, so Eberl. Zudem kritisierte er ein Bildungsverständnis, das den Nutzen und die unmittelbare Verwertbarkeit in den Vordergrund stelle. „Eine Schule, die die Menschenfreundlichkeit Gottes lebt und erlebbar macht, versteht sich selbst als lernende Institution. Sie ist ein Labor der Welt und offen für Gott, keine Prüf- und Ausleseschule.“ Eberl sprach sich ferner dafür aus, mehr in die kirchliche Bildung zu investieren. Dazu zähle die Arbeit mit Konfirmanden und Jugendlichen. Evangelische Jugendarbeit bringe „frischen Wind in Gemeindehäuser und neue Musik in den Gottesdienst“. Sie brauche hauptberufliche Begleiter. Zwischen 1997 und 2007 habe sich jedoch die Zahl der Ganztagsbeschäftigten in diesem Bereich halbiert.

Kirche soll interreligiösen Dialog verstärken

Zum Abschluss verabschiedete die Synode ein Papier, in dem unter anderem eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema Religionsfreiheit gefordert wird. Zudem solle der interreligiöse Dialog verstärkt werden. Dazu gehörten sowohl Fragen nach Gemeinsamkeiten und Differenzen als auch die Klärung des Verständnisses von Toleranz und Mission. Ferner müsse die presbyterial-synodale Ordnung so weiterentwickelt werden, dass auch künftig alle Getauften am Leitungshandeln teilhaben können.