13. Dezember 2017

Gemeinden sollen sich stärker diakonisch engagieren

Quelle: idea.de

Ulrich Laepple erwartet mehr diakonisches Engagement von Kirchengemeinden.

Ulrich Laepple erwartet mehr diakonisches Engagement von Kirchengemeinden.

Berlin (idea) – Mehr diakonisches Engagement von Kirchengemeinden erwartet der Geschäftsführer der deutschen Arbeitsgemeinschaft der Stadtmissionen, Ulrich Laepple (Berlin).
 

Die Auslagerung sozialer Dienste an große Institutionen sei ein Problem, sagte der Theologe am 17. September bei einer Podiumsdiskussion auf der „1. Next Generation Conference“ in Berlin. Seiner Ansicht lässt sich diese Entwicklung kaum noch rückgängig machen. Gemeindemitgliedern sei es aber möglich, sich ehrenamtlich zu engagieren, etwa durch Besuchsdienste in Krankenhäusern oder Altenheimen. Laepple – auch Referent für missionarisch-diakonischen Gemeindeaufbau bei der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste – erinnerte an Jesus Christus: „Jesus hatte eine diakonische und eine missionarische Hand.“ Beide Hände brauche man, um die Menschen zum christlichen Glauben einzuladen. Es gelte, auch in den Gemeinden Strukturen zu schaffen, um den Nöten der Leute zu begegnen. Dabei sei nicht immer eine Professionalisierung im Sinne einer hauptberuflichen Tätigkeit notwendig.

Londoner Stadtmissionar: „Taten ohne Worte sind stumm“

Der Leiter der Londoner Stadtmission, John Nicholls, sagte, man müsse sowohl die materiellen als auch die geistigen und geistlichen Bedürfnisse der Menschen im Blick behalten. Obdachlosigkeit und Süchte seien oftmals nur Symptome eines tiefer liegenden Problems. Auch wenn viele Menschen nur ihre oberflächlichen Bedürfnisse befriedigt wissen und nichts vom Glauben hören wollten, sollten Christen ihnen dennoch die Gute Nachricht nicht vorenthalten. „Taten ohne Worte sind stumm“, sagte Nicholls. Der Einsatz für die Menschen und die Verkündigung gehörten daher zusammen.

Die „neuen Evangelikalen“ gehen auf Distanz zur Politik

Auf unterschiedliche Denkweisen in Euriopa und den USA wies die Professorin für multisprachliche und multikulturelle Studien an der Universität von New York, Marcia Pally, hin. Während in Europa bis heute ein Denken vorherrsche, dass der Staat sich um die Sorgen der Menschen zu kümmern habe, seien die meisten US-Amerikaner der Auffassung, dass dies Aufgabe privater Initiativen sei. Dies gelte auch für viele evangelikale Christen. Die „neuen Evangelikalen“ wünschten wieder mehr Distanz zur Politik und verzichteten zuweilen bei Projekten auf staatliche Fördergelder, um einer Einflussnahme zu entgehen. Diese Gruppe lehne zwar auch wie die „religiöse Rechte“ die Abtreibung oder die Anerkennung der Homo-Ehe ab. Zunehmend gewännen aber auch Themen wie Umweltschutz und die Hilfe für Bedürftige an Bedeutung. Zudem träten sie für eine Erneuerung des Wirtschaftssystems und die staatliche Gleichbehandlung aller Religionen ein.

Junge Leute aus der ganzen Welt vernetzen

Die Next Generation Conference läuft noch bis zum 20. September in Berlin. Dort treffen sich 80 junge Christen aus 40 Nationen parallel zur Konferenz der Weltarbeitsgemeinschaft der Stadtmissionen in der Lutherstadt Wittenberg. Wie der Konferenzleiter für Berlin, Pfarrer Alexander Garth, gegenüber idea sagte, wolle man die junge Generation stärker in die Arbeit der Weltarbeitsgemeinschaft einbinden. Ziel sei es, Jugendliche aus der ganzen Welt zusammenzubringen und einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Zwar hätte man sich mehr Teilnehmer gewünscht, sei aber dennoch über die Resonanz nicht enttäuscht. Traurig sei jedoch, dass einige Christen aus Uganda nicht teilnehmen konnten, weil ihnen kein Visum erteilt wurde.