13. Dezember 2017

EKD verurteilt angedrohte Koran-Verbrennung

Quelle: idea.de

Martin Schindehütte spricht von „unerträglicher Provokation“.

Martin Schindehütte spricht von „unerträglicher Provokation“.

Hannover (idea) – Scharfe Kritik an einer geplanten Koran-Verbrennung in den USA übt EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte (Hannover). Die Ankündigung einer kleinen christlichen Gemeinde in Florida sei eine „unerträgliche Provokation“, sagte er am 8. September in Hannover.
 

Die etwa 50 Mitglieder zählende unabhängige Gemeinde Dove World Outreach Center (Weltmissionszentrum Taube) in Gainesville will am 11. September – dem neunten Jahrestag der von muslimischen Extremisten verübten Anschläge auf das New Yorker Welthandelszentrum – Exemplare des Korans verbrennen. Nach Ansicht ihres Pastors, Terry Jones, ist der Islam eine hasserfüllte Religion. Die angekündigte Aktion hat zu weltweiten Protesten von Muslimen und Christen geführt. Die EKD, so Schindehütte, distanziere sich entschieden von solch provozierenden Handlungen. Sie seien unvereinbar mit dem christlichen Zeugnis. Gerade zum Ende des Fastenmonats Ramadan, den Muslime in aller Welt in diesen Tagen begehen, gebe eine solche Aktion radikalen Positionen und Reaktionen neuen Nährboden. Christen seien verpflichtet, unter klarem Bezug auf ihren eigenen Glauben mit Muslimen in guter Nachbarschaft zu leben und zum Frieden beizutragen.

Clinton: Schändliche Aktion

Die geplante Aktion hat in den USA breite Empörung ausgelöst. Außenministerin Hillary Clinton nannte sie schändlich. Zuvor hatte der Kommandeur der ISAF-Truppen in Afghanistan, General David Petraeus, vor Vergeltungsanschlägen gewarnt. Dem Wall Street Journal sagte er, solche Aktionen spielten den Taliban und anderen Extremisten in die Hände. Außerdem könnte die Aktion weltweit eine Welle der Gewalt von erbosten Muslimen nach sich ziehen. In Afghanistan und Indonesien hat es bereits Demonstrationen mit Vergeltungsdrohungen gegeben. Eine Absage der Koranverbrennung fordern in den USA muslimische Verbände sowie der ökumenisch ausgerichtete Nationale Kirchenrat und die Evangelische Allianz (NAE), die rund 30 Millionen Evangelikale repräsentiert. Doch das Dove World Outreach Center in Gainesville (Florida) zeigt sich unbeeindruckt. Wie Pastor Jones sagte, wolle man Muslimen eine Chance zur Bekehrung zum christlichen Glauben geben. Man hasse nicht die Muslime, sondern den Islam. NAE-Präsident Leith Anderson (Washington) hält dagegen: Die Bibel rufe dazu auf, nicht Böses mit Bösem zu vergelten, sondern „dem Guten nachzujagen – untereinander und gegen jedermann“ (1. Thessalonicher 5,15).