24. September 2017

EKD kritisiert geplante spiritistische RTL-Sendung

Quelle: idea.de

Markus Bräuer

Markus Bräuer

Leipzig/Köln (idea) – Auf Kritik von Kirche und Evangelikalen stößt eine geplante Sendung des Kölner Privatsenders RTL. Der Sender will am 31. Oktober durch die Schweizer Hellseherin Kim-Anne Jannes Kontakt zu dem vor 23 Jahren verstorbenen CDU-Politiker Uwe Barschel aufnehmen.
 

Der einstige schleswig-holsteinische Ministerpräsident war am 11. Oktober 1987 nach einem Polit-Skandal tot in einer Hotelbadewanne aufgefunden worden. Die exakten Todesumstände sind bis heute ungeklärt. RTL will im „Interview“ mit dem Toten in Anwesenheit der 63-jährigen Witwe Freya Barschel die Vorfälle aufklären. Der Medienbeauftragte der EKD und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Markus Bräuer (Frankfurt am Main), kritisierte gegenüber der Leipziger Volkszeitung unter anderem die geplante Ausstrahlung am Reformationstag (31. Oktober). Zwar kenne er die geplante Sendung „Das Medium“ noch nicht, aber auf jeden Fall sei der Sendetermin unpassend. „Der Reformationstag steht für die Verbindung von Glaube und Vernunft. Eine Hellseherin, die Kontakt mit den Toten zu haben behauptet, erscheint mir im 21. Jahrhundert überholt“, so der EKD-Medienbeauftragte.

Fernsehkritiker: Volksverdummung

Grundsätzlich gelte für Christen, dass sie auch über die Grenze des Lebens hinaus auf die Gnade Gottes vertrauten. Eine Kontaktaufnahme einer Hellseherin mit einem Verstorbenen sei damit nicht gemeint. Die Würde des Menschen gelte auch über das irdische Leben hinaus. Darauf sei im Fall Barschel wenig Rücksicht genommen worden. Bräuer: „Schon deshalb ist das Thema besonders schwierig. Aber ich mag nicht darüber urteilen, wenn die Witwe von Uwe Barschel zur Bewältigung ihrer Trauer Wege geht, die ich nicht unterstützen kann.“

KEP: Sendung ist Spiritismus pur

Der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten), Wolfgang Baake (Wetzlar), bezeichnete die Sendung als „Spiritusmus pur“. Es könne und dürfe nicht sein, „dass RTL so etwas wie eine öffentlich praktizierte Totenbefragung propagiert“. Baake fragte: „Welche Werte vertritt dieser Privatsender bloß?“ Der Hamburger Fernsehkritiker und Grimme-Preisträger Holger Kreymeier sprach in den Lübecker Nachrichten von „purer Volksverdummung“. Sollten die Quoten stimmen, will RTL weitere Folgen der „Emotainment-Doku“ ausstrahlen. Barschel war 1987 von einem Mitarbeiter beschuldigt worden, während des Landtagswahlkampfs eine Verleumdungskampagne gegen den SPD-Herausforderer Björn Engholm initiiert zu haben. Barschel bestritt alle Vorwürfe, musste aber angesichts des öffentlichen Drucks zurücktreten. Neun Tage später starb er unter mysteriösen Umständen in einem Genfer Hotelzimmer. Laut offiziellen Ermittlungen handelte es sich um Selbstmord. Einige Experten bezweifeln dies. Der Lübecker Altbischof Ulrich Wilckens hielt bei Barschels Beerdigung eine in der Öffentlichkeit viel beachtete Trauerrede.