13. Dezember 2017

Ehrenämter fördern Glück und Gesundheit

Quelle: idea.de

„Ehrenamtlichentag“ der hannoverschen Landeskirche: 7.500 Teilnehmer. Foto: PR/Jens Schulze

„Ehrenamtlichentag“ der hannoverschen Landeskirche: 7.500 Teilnehmer. Foto: PR/Jens Schulze

Hannover (idea) – Wer sich ehrenamtlich engagiert, dient damit nicht nur anderen, sondern fördert auch seine eigene Gesundheit und sein Lebensglück. Darauf haben Mediziner und Theologen auf einem „Ehrenamtlichentag“ der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers aufmerksam gemacht.
 

An dem Treffen unter dem Motto „Seid mutig und stark!“ nahmen am 4. September in Hannover etwa 7.500 der über 100.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter der mit knapp drei Millionen Mitgliedern größten deutschen Landeskirche teil. Hauptredner war der frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, der Theologe Joachim Gauck (Rostock). Nach seinen Worten machen Ehrenamtliche – egal, ob sie in der Freiwilligen Feuerwehr, im Kirchenchor oder einem diakonischen Verein aktiv sind – die Erfahrung, dass die eigene Psyche den Einsatz für andere belohne: „Unser eigenes Lebensgefühl verwandelt sich ins Glückhafte.“ Es sei falsch zu meinen, dass man durch Konsum und materiellen Besitz glücklich werde: „Glück kommt vom Geben dessen, was wir haben.“ Im Blick auf das Motto des Treffens sagte Gauck: „Wir brauchen manchmal den Mut, barmherzig zu sein, weil andere kalt geworden sind.“ Zugleich sei auch Mut notwendig, manche Bürger zu fordern, weil die zum Teil „verwöhnte Gesellschaft“ denke, sie könne nur glücklich werden durch noch mehr Versorgung. Teilen der Gesellschaft müsse man erklären, „dass man vom beständigen Empfangen weniger glücklich wird als dadurch, dass man sich einbringt und etwas leistet“. Die Untugend, sich nicht zu engagieren und egoistisch zu sein, gebe es nicht nur bei reichen Managern, sondern auch bei Habenichtsen. Man dürfe nicht so tun, als müsse sich nur ein Teil der Gesellschaft ändern: „Wir alle müssen unsere Gaben einbringen.“

Wer anderen hilft, lebt länger

Der Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer (Ulm) sagte, zahlreiche Studien hätten nachgewiesen, dass ehrenamtliches Engagement gut für die Gesundheit sei. Es wirke Einsamkeit entgegen, löse Glücksgefühle aus und verlängere das Leben. Wer anderen helfe, erziele damit für sich „den größten gesundheitlichen Effekt“. Die positive Wirkung eines solchen Dienstes sei häufig stärker als die von Medikamenten, so der Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. Das ständige Empfangen von Hilfe wirke sich dagegen eher lebensverkürzend aus. Hinsichtlich der Frage, wie man sich im Alter geistig rege hält, riet Spitzer: „Schaffen Sie sich einen Enkel an und wenn sie keinen haben, leihen Sie sich einen aus.“ Ältere Menschen gehörten nicht auf Kreuzfahrtschiffe und Golfplätze, sondern zu ihren Enkeln.

„Helden des Alltags“

Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) bezeichnete ehrenamtlich Engagierte als „die wahren Helden im Alltag“. Er sei froh und dankbar, dass sich in dem Bundesland 2,8 Millionen Bürger in Ehrenämtern betätigten; das seien 41 Prozent der Bevölkerung. „Niedersachsen ist ein Land des Ehrenamts“, so McAllister. In Zukunft müsse man sich bemühen, noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund dafür zu gewinnen, sich ehrenamtlich einzubringen. Zu seinem Glauben sagte der Ministerpräsident: „Ich bin gern und aus Überzeugung evangelischer Christ.“ Der anglikanische Bischof Nicholas Baines (Croydon bei London) sagte zum Ehrenamt in der Kirche, es sei kein freiwilliger Dienst wie in jeder anderen Institution. Ehrenamtlich tätige Christen seien getrieben von der Liebe und Gnade Gottes und „zuerst Jünger Jesu Christi“. Zum Programm des Ehrenamtlichentages gehörten neben Vorträgen und Gesprächsrunden auch eine Bibelarbeit, ein Abendmahlsgottesdienst und ein „Markt der Möglichkeiten“, auf dem sich 85 Gemeinden, kirchliche Einrichtungen und Organisationen präsentierten.