20. September 2017

Christen in Deutschland verurteilen Koran-Verbrennung

Quelle: idea.de

Hannover/Bad Blankenburg (idea) – Die geplante Koran-Verbrennung durch eine christliche Gemeinde in den USA stößt weltweit auf Empörung.
 

In Deutschland distanzieren sich die EKD und die Deutsche Evangelische Allianz von der Aktion des etwa 50 Mitglieder zählenden Dove World Outreach Center (Weltmissionszentrum Taube) in Gainesville (Florida). Unter Leitung des früher in Köln tätigen Pastors Terry Jones will sie den Koran ausgerechnet am 11. September verbrennen, dem neunten Jahrestag der von muslimischen Extremisten verübten Anschläge auf das New Yorker Welthandelszentrum. Dies sei eine „unerträgliche Provokation“, sagte EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte am 8. September in Hannover. Sie sei unvereinbar mit dem christlichen Zeugnis. Gerade zum Ende des Fastenmonats Ramadan gebe sie radikalen Positionen und Reaktionen neuen Nährboden. Christen seien verpflichtet, unter klarem Bezug auf ihren eigenen Glauben mit Muslimen in guter Nachbarschaft zu leben und zum Frieden beizutragen.

Werth: Das hat nichts mit christlichem Glauben zu tun

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth (Wetzlar). In einer am 8. September in Bad Blankenburg (Thüringen) veröffentlichten Pressemitteilung schreibt er: „Wir hoffen, dass diese Gruppe in den USA von ihrem unsinnigen Vorhaben ablässt. Mit christlichem Glauben hat das jedenfalls überhaupt nichts zu tun!“ Ebenso wie die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) und die Evangelische Allianz der USA (NAE) stehe man für die Glaubensfreiheit aller Menschen ein. Man bekräftige die Absicht, mit Anhängern anderer Religionen und mit Menschen ohne Religionszugehörigkeit friedlich zusammenzuleben „und mit ihnen zum gemeinsamen Wohl und für Versöhnung zusammenzuarbeiten“. Das bedeute nicht, dass man ihre Wahrheitsansprüche gutheiße: „Es ist möglich, für die Freiheit anderer einzutreten, ohne deren Glaubensüberzeugung für wahr zu halten oder zu teilen.“ Die Allianz erinnert daran, dass Jones früher die Christliche Gemeinde Köln leitete. 2008 habe sie ihn wegen unhaltbarer theologischer Aussagen und Geltungssucht von der Leitung entbunden. Bereits 2002 hatte ihn das Kölner Amtsgericht wegen Führens eines falschen Doktortitels zu einer Geldbuße von 3000 Euro verurteilt. Die Kölner Gemeinde kritisiert die geplante Koran-Verbrennung: „Wir distanzieren uns von dieser Aktion und möchten damit nicht in Verbindung gebracht werden.“

US-Außenministerin: Schändliche Aktion

In den USA hat das Vorhaben breite Empörung ausgelöst. Außenministerin Hillary Clinton nannte sie schändlich. Zuvor hatte der Kommandeur der ISAF-Truppen in Afghanistan, General David Petraeus, vor Vergeltungsanschlägen gewarnt. Dem Wall Street Journal sagte er, solche Aktionen spielten den Taliban und anderen Extremisten in die Hände. Außerdem könnte die Aktion weltweit eine Welle der Gewalt von erbosten Muslimen nach sich ziehen. In Afghanistan und Indonesien hat es bereits Demonstrationen mit Vergeltungsdrohungen gegeben. Eine Absage der Koranverbrennung fordern in den USA muslimische Verbände sowie der ökumenisch ausgerichtete Nationale Kirchenrat und die NAE, die rund 30 Millionen Evangelikale repräsentiert. Doch die Gemeinde zeigt sich unbeeindruckt. Nach Ansicht ihres Pastors ist der Islam eine hasserfüllte Religion. Man hasse aber nicht die Muslime, sondern wolle ihnen eine Chance zur Bekehrung zum christlichen Glauben geben. NAE-Präsident Leith Anderson (Washington) hält dagegen: Die Bibel rufe dazu auf, nicht Böses mit Bösem zu vergelten, sondern „dem Guten nachzujagen – untereinander und gegen jedermann“ (1. Thessalonicher 5,15).