22. September 2017

Bischof: Es gibt kein Anti-Integrations-Gen

Quelle: idea.de

Gerhard Ulrich plädiert für Offenheit gegenüber Fremden.

Gerhard Ulrich plädiert für Offenheit gegenüber Fremden.

Schleswig (idea) – Für Offenheit gegenüber Fremden plädiert der Vorsitzende der Nordelbischen Kirchenleitung, Bischof Gerhard Ulrich (Schleswig).
 

„Ein Gen, das resistent machen würde gegen alle Verständigungs- und Integrationsbemühungen, so ein Anti-Integrations-Gen, das hat Gott dem menschlichen Erbgut ganz sicher nicht beigemischt“, sagte er am 6. September beim Jahresempfang der Nordelbischen Kirche im Schleswiger Dom. Ulrich spielte damit auf die Debatte um Äußerungen von Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin (SPD) an, der unter anderem von einem gemeinsamen Gen etwa der Juden gesprochen hatte. Offenheit und Zugewandtheit für andere bedeuteten nicht den Ausverkauf der eigenen Identität, so Ulrich vor rund 300 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Die Kirche wisse nicht zuletzt aus ihren ökumenischen Erfahrungen, dass die Menschen in der Vielfalt der Kulturen, die Gott geschaffen habe, eine Gemeinschaft in der einen Welt bildeten. Der Glaube sei kein überholtes Kulturgut, sondern gewinne in einer globalisierten Gesellschaft an Bedeutung.

Staatsleistungen nicht in Frage stellen

Der Bischof ging auch auf die Diskussion um staatliche Zuschüsse für die Kirchen ein. Der FDP-Fraktionsvorsitzende im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki (Kiel), hatte angesichts der angespannten Haushaltslage des Landes Kürzungen bzw. eine Einmalzahlung der sogenannten Dotationen angeregt. Sie gründen auf Entschädigungen für Enteignungen am Anfang des 19. Jahrhunderts und sind durch Staatskirchenverträge geregelt. Schleswig-Holstein zahlt jährlich etwa elf Millionen Euro an die Nordelbische Kirche und rund 200.000 Euro an die katholische Kirche. Wie Ulrich sagte, trage die Kirche mit dem Geld zum Gemeinwohl bei: „Wer die Staatsleistungen in Frage stellt, leistet keinen Beitrag zur Sanierung der Finanzen, sondern schwächt funktionierende Strukturen und stellt bewährte Formen der Zusammenarbeit in Frage.“

Aufklärung von Missbrauch: Gründlichkeit vor Schnelligkeit

Bei der Aufklärung von Fällen sexuellen Missbrauchs lege die Nordelbische Kirche großen Wert auf ein sorgfältiges und rechtsstaatliches Verfahren. Gründlichkeit müsse vor Schnelligkeit gehen. Tief erschüttert sei man über das Leid der Opfer. Als besondere Tragik und einen großen Verlust bezeichnete der Bischof den Rücktritt der Bischöfin des Sprengels Hamburg-Lübeck, Maria Jepsen. Sie habe Konsequenzen aus Vorgängen gezogen, für die sie keine persönliche Verantwortung hatte. Die 65-Jährige, die seit 1992 als Bischöfin amtierte, hatte ihr Amt am 16. Juli niedergelegt, weil sie die Glaubwürdigkeit der Kirche beschädigt sah. Ihr war vorgeworfen worden, sie sei Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch nicht frühzeitig nachgegangen.