11. Dezember 2017

Aus für den Rheinischen Merkur

Quelle: idea.de

Chefredakteur Michael Rutz: Katholisches Wochenblatt wird an „Die Zeit“ verkauft.

Chefredakteur Michael Rutz: Katholisches Wochenblatt wird an „Die Zeit“ verkauft.

Köln (idea) – Aus für den Rheinischen Merkur: Die letzte kirchlich getragene überregionale Wochenzeitung wird an den Verlag der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Hamburg) verkauft. Das bestätigte Merkur-Chefredakteur Michael Rutz (Bonn) am 21. September in einem Gespräch mit dem Deutschlandradio (Köln).
 

Das katholische Wochenblatt verliere seine Selbständigkeit, werde zunächst mit der „Zeit“ kooperieren und gehe ab nächstem Jahr in einer Beilage in der „Zeit“ auf. Diese Publikation, die vor allem religiöse Themen behandelt, solle „Rheinischer Merkur. Christ + Welt“ heißen und von sechs bis sieben Redakteuren erstellt werden. Insgesamt sind laut Rutz 47 Mitarbeiter von dem Verkauf betroffen, darunter 20 Redakteure. Die Zeitung erhielt nach Angaben des Chefredakteurs zuletzt einen kirchlichen Zuschuss von etwa 2,5 Millionen Euro pro Jahr. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz, die das Blatt zusammen mit acht Bistümern trägt, will am Rande ihrer Herbstkonferenz vom 20. bis 24. September in Fulda über die defizitäre Publikation beraten und entscheiden.

Massiver Auflagenschwund

Der Rheinische Merkur war 1946 mit einer Startauflage von 160.000 Exemplaren gegründet worden. Im 2. Quartal 2010 lag die Auflage laut IVW bei etwas mehr als 64.000, acht Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Um 27 Prozent ging die Zahl der Abonnements auf 36.363 zurück. Knapp 1.800 Exemplare werden im Einzelverkauf abgesetzt, ein Minus von 24 Prozent. Wie Rutz sagte, habe das Blatt zuletzt rund 140.000 Leser gehabt, darunter viele Entscheidungsträger. Sie schätzten den Rheinischen Merkur außerordentlich. Zudem seien die Redakteure teilweise preisgekrönte und hervorragende Journalisten, „um die wir uns jetzt natürlich ein bisschen Sorgen machen“. Man habe ein „Blatt aus der Mitte“ gemacht, sagte Rutz zur Kritik am angeblich zu liberalen Kurs der Wochenzeitung.

EKD stellte Wochenzeitung vor zehn Jahren ein

„Zeit“-Leser werden künftig zwei kirchliche Publikationen erhalten; neben dem Rheinischen Merkur liegt dem Blatt bereits das monatlich erscheinende evangelische Magazin „chrismon“ bei. Dieses trat die Nachfolge der Wochenzeitung „Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt“ an, das die EKD vor zehn Jahren wegen Auflagenschwunds und anhaltend hoher Subventionen eingestellt hatte. „chrismon“ liegt in 1,6 Millionen Exemplaren auch Blättern wie der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Süddeutschen Zeitung“ kostenlos bei. Seit 2006 erscheint „chrismon“ unter dem Dach des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt am Main und wird jährlich mit vier Millionen Euro von der EKD subventioniert.