13. Dezember 2017

Wohlstandstheologie bei christlichen Fußballstars?

Quelle: idea.de

EZW-Materialdienst: Glaube nicht zum Patentrezept für Erfolg machen.

EZW-Materialdienst: Glaube nicht zum Patentrezept für Erfolg machen.

Berlin (idea) – Einen kritischen Blick auf den missionarischen Einsatz christlicher Fußballstars wirft die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW/Berlin).
 

Zwar sei es zu begrüßen, wenn gläubige Spieler durch ihren Lebensstil zu einem Vorbild für Jugendliche würden. „Problematisch ist es aus theologischer Sicht jedoch, wenn der Glaube an Jesus Christus zu einem Patentrezept für ein erfolgreiches, erfülltes Leben im Sinne von Wohlstand und gesellschaftlichem Status umgedeutet wird“, schreibt der brasilianische lutherische Pfarrer João Carlos Schmidt (derzeit Aalen) im neuesten EZW-Materialdienst. Das erwähnte Problem tauche in vielen evangelikalen und pfingstkirchlichen Kreisen in Brasilien auf. Wohlstand werde dabei nicht nur als Reichtum, sondern als Inbegriff für Erfolg in allen Lebensbereichen verstanden. Auch die Pfingstkirche „Renascer en Christo“ (Wiedergeboren werden in Christus) – die den brasilianischen Fußballstar Kaká (Real Madrid) zu ihren Mitgliedern zählt – vertrete eine solche Theologie, so Schmidt. Zwar wolle er die christlichen Sportler nicht in eine direkte Verbindung mit dieser Theologie bringen. Allerdings betrachteten Wohlstandstheologen den Erfolg von „Superchristen“ wie Kaká oder seinem Nationalmannschaftskollegen Lúcio gern als Bestätigung der eigenen Lehre.

Kirche gleicht Unternehmen

Zudem werde Kakás Freundschaft zu den Gründern und Leitern seiner Gemeinde, dem Ehepaar Estevam und Sómia Hernandes, kritisch betrachtet, schreibt Schmidt. Das Paar erhielt 2007 wegen Geldschmuggels in den USA eine fünfmonatige Haftstrafe. Auch wegen Geldwäsche wurde gegen die Eheleute ermittelt. Laut Schmidt ähnelt die Kirche einem Familienunternehmen, das dem Gründerehepaar und seinen Kindern ein millionenfaches Privatvermögen beschert habe. „Kaká ließ sich von den Ereignissen an der Spitze der Kirche nicht beeindrucken, blieb ein treues Mitglied und ein großzügiger Spender und will nach dem Ende seiner Karriere als Fußballstar in ihrer Mitte als Pastor arbeiten.“ Der Mittelfeldspieler von Real Madrid soll laut Medienberichten ein Jahresgehalt von neun Millionen Euro netto bekommen. Zehn Prozent seines Einkommens spende Kaká seiner Gemeinde, so Schmidt.