22. September 2017

Volksmusik wird von der Kirche zu Unrecht vernachlässigt

Quelle: idea.de

Martin Scheuermann: Fixierung auf Orgel und Popmusik schadet dem Auftrag.

Martin Scheuermann: Fixierung auf Orgel und Popmusik schadet dem Auftrag.

Schwäbisch Gmünd (idea) – Die größte Gruppe der Musikliebhaber, die Freunde der Volksmusik, wird von der Kirche zu Unrecht vernachlässigt. Dieses Fazit zog der Leiter des Christlichen Gästezentrums „Schönblick“, Martin Scheuermann (Schwäbisch Gmünd), am Ende einer Tagung, die sich ausschließlich mit Volksliedern befasste.
 

Mit 130 Dauerteilnehmern sei die fünftägige Veranstaltung frühzeitig ausgebucht gewesen. Nach Ansicht Scheuermanns wären die meisten Besucher niemals in eine Kirche gekommen, um einem klassischen Orgelkonzert beizuwohnen. Auch moderne Poprhythmen zögen nur einen Ausschnitt aus der Bevölkerung an. „Die starke Fixierung der Kirche auf den Geschmack des Bildungsbürgertums und der Jugendkultur schadet ihrem umfassenden missionarischen Auftrag“, sagte der Theologe gegenüber idea. Die Tagung habe gezeigt, wie die Kirche auch andere Zielgruppen ansprechen könne. Viele Volkslieder befassten sich mit menschlichen Sehnsüchten, die sich gut als Aufhänger für geistliche Impulse eigneten. Häufig wiederkehrende Themen seien Heimat, Liebe, Gemeinschaft, Natur, Wanderschaft und Tod.

Offenes Singen mit dem „Chorkönig“ Gotthilf Fischer

Zu Attraktivität der Tagung trug auch die Mitwirkung der Sängerinnen Bianca App von der Gruppe „Die Schäfer“ (Bretten bei Karlsruhe) und Angela Wiedl (München) bei, die Einblicke in ihre geistliche Entwicklung gaben. Höhepunkt war ein offenes Singen mit dem „Chorkönig“ Gotthilf Fischer (Weinstadt bei Stuttgart). Dabei habe sich herausgestellt, dass außer den Klassikern „Hoch auf dem gelben Wagen“ und „Am Brunnen vor dem Tore“ auch viele Choräle – etwa „Geh aus mein Herz und suche Freud“ und „Großer Gott, wir loben dich“ – zu den Evergreens gehören, so Scheuermann. „Wer etwas für den christlichen Grundwasserspiegel in Deutschland tun will, darf die Volksmusik nicht hochnäsig behandeln“, lautet sein Fazit.