13. Dezember 2017

Nordelbien: Erneut Verdacht sexuellen Missbrauchs

Quelle: idea.de

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bünsdorfer Gemeindepastor.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bünsdorfer Gemeindepastor.

Kiel/Hamburg (idea) – Ein neuer Verdacht sexuellen Missbrauchs durch einen Pastor ist in der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche aufgetaucht.
 

Wie die Kirche im Internet mitteilt, ermitteln die Staatsanwaltschaften Kiel und Hamburg gegen Gemeindepastor Thies F. (48) aus Bünsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Der Eckernförder Propst Sönke Funck habe einen entsprechenden Bericht des Flensburger Tageblatts bestätigt. Der Pastor ist mittlerweile vom Dienst suspendiert. Zunächst besteht laut Funck nur ein Anfangsverdacht. F. ist seit elf Jahren in Bünsdorf tätig. Zuvor war er Pastor in Hamburg-Rahlstedt. Er ist zum zweiten Mal verheiratet. Untersucht wird ein möglicher sexueller Missbrauch im privaten Umfeld von F. aus seiner Hamburger Zeit.

Jugendamt trennt Frau und Kind von Beschuldigtem

Der Fall ist anders gelagert als beim Ahrensburger Pastor Gert-Dietrich K. Dieser soll von Ende der siebziger bis Mitte der achtziger Jahre nach Angaben der Opferorganisation „Missbrauch in Ahrensburg“ 22 Kinder und Jugendliche missbraucht haben, darunter seine fünf Stiefsöhne. Die Vergehen sind damit strafrechtlich verjährt. Er hatte die Vorwürfe bereits 1999 gegenüber Pröpstin Heide Emse eingeräumt. Sein Fall hatte den Rücktritt von Bischöfin Maria Jepsen am 16. Juli ausgelöst. Nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks hat das Jugendamt die 28-jährige Ehefrau und ihren sechsjährigen Sohn von dem 72-jährigen K. getrennt. Das Kirchenamt hat disziplinarrechtliche Ermittlungen gegen ihn und den Ruhestandspastor Friedrich H. eingeleitet, der ebenfalls in Ahrensburg tätig war. Auch gegen ihn haben Opfer Missbrauchsvorwürfe erhoben. Die Kirchenleitung hat in beiden Fällen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, doch sind die Vorfälle strafrechtlich verjährt. In dem kirchlichen Disziplinarverfahren drohen den Beschuldigten die Aberkennung der Ordinationsrechte und die Streichung der Ruhestandsbezüge. Gegenwärtig führt die Nordelbische Kirche vier Disziplinarverfahren gegen Pastoren wegen sexuellen Missbrauchs. In einem weiteren Fall geht es um den Besitz von Kinderpornografie. Alle Beschuldigten üben ihren Dienst nicht mehr aus.