13. Dezember 2017

Missbrauchsskandal in Nordelbien weitet sich aus

Quelle: idea.de

Wusste Bischöfin Jepsen schon vor elf Jahren von Vorwürfen?

Wusste Bischöfin Jepsen schon vor elf Jahren von Vorwürfen?

Kiel/Hamburg (idea) – Ein Missbrauchsskandal in der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche weitet sich aus.
 

Im Zusammenhang mit der Aufklärung sexuellen Missbrauchs in der Kirchengemeinde von Ahrensburg bei Hamburg ist die Bischöfin des Sprengels Hamburg-Lübeck, Maria Jepsen, in die öffentliche Kritik geraten. Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zufolge soll sie bereits 1999 von einem Verdacht gegen den inzwischen pensionierten Pastor Gert-Dietrich K. informiert worden sein. Die Schwester eines Opfers will die Bischöfin in einem Gespräch in Lübeck unterrichtet haben; daran kann sich Jepsen heute nicht mehr erinnern. Außerdem geht aus dem Protokoll einer Besprechung des Bischofskollegiums vom 1. November 1999 hervor, dass sich Jepsen nach möglichen intimen Beziehungen des Pastors zu jüngeren Frauen erkundigt habe. Das Personaldezernat teilte damals mit, dass es davon keine Kenntnis habe. Der Kirchenleitung zufolge sind die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs in Ahrensburg erst im März 2010 durch den Brief einer betroffenen Frau bekannt geworden. Wie der stellvertretende Pressesprecher der Kirche, Thomas Kärst, idea am 12. Juli auf Anfrage mitteilte, hat das Kirchenamt disziplinarrechtliche Ermittlungen gegen K. und den Ruhestandspastor Friedrich H. eingeleitet, der ebenfalls in Ahrensburg tätig war. Zunächst hatte dieser lediglich eingeräumt, die Missbrauchsvorwürfe gegen seinen Pfarrerkollegen nicht gemeldet zu haben. Inzwischen sind, so Kärst, auch gegen H. Missbrauchsvorwürfe von Opfern erhoben worden. Die Kirchenleitung hat in beiden Fällen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, doch sind die Vorfälle strafrechtlich verjährt.

Bischof: Es sind Fehler gemacht worden

Das Kirchenamt kündigte eine umfassende Aufklärung an. In den siebziger und achtziger Jahren seien Fehler gemacht worden seien, räumte der Vorsitzende der Kirchenleitung, Bischof Gerhard Ulrich (Schleswig), ein. Sexueller Missbrauch sei ein Unrecht, das nicht geduldet werde. Ulrich stellte sich an die Seite von Jepsen. Die erste Verantwortung für Personal- und Disziplinarfragen der Pastorinnen und Pastoren liege bei den Pröpsten und Pröpstinnen. Man prüfe derzeit, an welcher Stelle 1999 Hinweisen nicht entschieden genug nachgegangen worden sei.

Pastor soll Stiefsöhne missbrauch haben

Dem Kirchenamt sind sieben Missbrauchsfälle bekannt. K. soll mehrere Jahre ein sexuelles Verhältnis zu einer damals 16- bis 20-Jährigen unterhalten haben. Auch soll er sich an seinen fünf Stiefsöhnen vergangen haben. Von ihnen leben noch drei, die entsprechende Anschuldigungen erhoben haben. Der Pastor wurde 1999 ohne nähere Angaben von Gründen versetzt und sollte in Neumünster ein Konzept der Gefangenenseelsorge erarbeiten. Er war auch als Religionslehrer und als Seelsorger an einer Jugendstrafanstalt tätig. Nach Angaben des Hamburger Abendblatts hat ein Stiefsohn den Verein „Missbrauch in Ahrensburg“ gegründet und sich in Briefen an Jepsen und den amtierenden EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), gewandt.