22. September 2017

Kein Thema unter Lutheranern: Missbrauch und Homosexualität

Quelle: idea.de

Vollversammlung des Weltbunds diskutiert über das „tägliche Brot“.

Vollversammlung des Weltbunds diskutiert über das „tägliche Brot“.

Stuttgart (idea) – Sexueller Missbrauch und Homosexualität – zwei Themen, die viele Kirchen beschäftigen – kommen bei der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 20. bis 27. Juli in Stuttgart offiziell bisher nicht zur Sprache.
 

Das bestätigten der Präsident des Weltbundes, der US-amerikanische Bischof Mark S. Hanson (Chicago), und LWB-Generalsekretär Ishmael Noko (Genf) am 19. Juli vor Journalisten in Stuttgart. Ortsgruppen hätten jedoch die Möglichkeit, die Themen einzubringen, meinte Hanson. Der Rat des LWB habe aber in einer Stellungnahme zu einem Verhaltenskodex klar gemacht, dass man keine Form von sexuellem Missbrauch toleriere. Noko erklärte, er hoffe, dass der Umgang mit Homosexualität nicht zum Hauptthema der Vollversammlung werde. Auch wenn diese Kontroverse bisher ebenfalls nicht auf der Tagesordnung stehe, könne es von Arbeitsgruppen eingebracht werden. Während die lutherischen Kirchen in Nordamerika und Europa Homosexualität weithin akzeptieren, wenden sich vor allem afrikanische Kirchen gegen Zugeständnisse. So ist praktizierte Homosexualität etwa für die Mekane-Jesus-Kirche in Äthiopien und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania Sünde. Noko erläuterte, dass der Weltbund 2007 einen Ausschuss beauftragt habe, bis 2012 den Diskussionsstand zu diesem Thema in den Mitgliedskirchen zusammenzufassen.

Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt fördern

Das Stuttgarter Treffen, zu dem 418 Delegierte und rund 2.000 internationale Gäste erwartet werden, steht unter dem Motto „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Dabei gehe es nicht nur um Fragen von Ernährung und Armut, sondern auch um den Hunger nach Frieden und Gerechtigkeit, um soziale Ungerechtigkeit und die Verletzung von Menschenrechten, sagte Hanson. Der Bischof der gastgebenden württembergischen Landeskirche, Frank Otfried July (Stuttgart), erklärte, dass die Kirchen in einer globalisierten Welt Verantwortung übernehmen müssten: „Frieden und gerechte Verteilung sind ein Thema, das alle Konfessionen verbindet.“

Lutheraner verzeichnen Wachstum in Afrika

Noko machte darauf aufmerksam, dass sich seit der letzten LWB-Vollversammlung auf deutschem Boden 1952 in Hannover die kirchliche Landschaft stark verändert habe. So habe es damals in Tansania 20.000 Lutheraner gegeben, heute seien es 5,3 Millionen. Die afrikanischen Kirchen seien damals nur als Beobachter dabei gewesen, heute verzeichneten sie das größte Mitgliederwachstum. Und während seinerzeit die Lutheraner weithin unter sich geblieben seien, habe man nun auch Katholiken, Anglikaner, Reformierte und Freikirchler eingeladen. Der Weltbund repräsentiert 68,5 Millionen Lutheraner in 140 Mitgliedskirchen aus 79 Ländern.