20. September 2017

Christen ziehen meist positive Bilanz der Fußball-WM

Quelle: idea.de

Bernhard Felmberg: Durch das Sportereignis baute die Kirche neue Kontakte auf.

Bernhard Felmberg: Durch das Sportereignis baute die Kirche neue Kontakte auf.

Berlin (idea) – Der EKD-Sportbeauftragte, Prälat Bernhard Felmberg (Berlin), hat eine positive Bilanz der am 11. Juli endenden Fußball-Weltmeisterschaft gezogen.
 

Bis zu 2.600 Kirchengemeinden hätten in ihren Räumlichkeiten Fußballspiele übertragen und so den Kontakt zu der Bevölkerung in ihrer Umgebung gesucht. „Durch diese Erfahrung konnten Menschen, die bislang wenig oder keinen Kontakt mit der Gemeinde hatten, in anderen Situationen wieder leichter einen Zugang zur Kirche finden“, ist Felmberg überzeugt. Durch die gemeinsame Freude, aber auch die Trauer über den verpassten Finaleinzug der deutschen Mannschaft seien neue Beziehungen entstanden. Der Befürchtung einzelner Christen, der Fußball werde nun auch von der Kirche zur Religion erhoben, entgegnete der Sportbeauftragte: „Die Religion, um die es uns geht, ist der christliche Glaube. Das haben wir gerade auch durch unsere Beteiligung bei der Fußball-WM deutlich gemacht.“ Die teils skurrilen Rituale, die abseits des Platzes stattfanden, sollte man nicht zu ernst nehmen, riet Felmberg. Er bezog sich damit auf die Berichterstattung über den „Glückspulli“ von Bundestrainer Joachim Löw sowie die WM-Tipps eines Kraken in Oberhausen. Dem Octopus in einem Schau-Aquarium hatten Mitarbeiter vor den Spielen jeweils zwei große Plastikbehälter mit Futter ins Wasser gestellt, die für die beiden gegeneinander antretenden Mannschaften standen. Bei allen Spielen des deutschen Teams „tippte“ der Krake richtig. Felmberg sagte, solche Rituale sollte man „mit einem lachenden Augen sehen und wissen, dass dies ja keine Dinge sind, die wirklich tragfähig sind“.

Spieler waren dankbar für seelsorgerliche Angebote

Ein positives Fazit zog auch der Leiter der Abteilung Profisport des Missionswerks SRS (früher: Sportler ruft Sportler), Mark Geißbauer. Der 29-Jährige war in den vergangenen Wochen mit einem internationalen Team als Seelsorger für die Nationalmannschaften in Südafrika im Einsatz. Wie Geißbauer sagte, seien die Spieler sehr dankbar für die geistlichen Angebote gewesen. Auch mit Profis, die bislang keine Christen sind, hätte man intensive Gespräche über den Glauben führen können. Besonders intensiv seien die Kontakte zu den Mannschaften aus meist lateinamerikanischen Ländern gewesen. Auch zur deutschen Nationalmannschaft habe es Kontakt gegeben. Ein persönlicher Höhepunkt für ihn sei die Mitarbeit bei einem Seminar für Trainer und Manager aus rund 20 südafrikanischen Profivereinen gewesen, das er gemeinsam mit dem südafrikanischen Fußballverband organisiert hatte. Geißbauer referierte dabei über das Thema „Werte im Fußball“ und konnte dabei auch von seinem Leben als Christ berichten. Bereits jetzt habe der Verband angefragt, ob man das Seminarangebot in anderen Teilen des Landes wiederholen könne.

Fernsehverbot in Holland

Allerdings sehen nicht alle die WM nur positiv: Im sogenannten „Bibelgürtel“ der Niederlande verhängten streng konservative, calvinistische Pfarrer für das Finale Holland gegen Spanien ein Fernsehverbot für ihre Mitglieder, weil das Spiel am Sonntag ausgetragen wird. Ein Prediger ging soweit, für eine Niederlage seines Teams zu beten, hieß es in einer dpa-Meldung. Unterstützung für die kritische Haltung kam auch aus der Politik: Die sehr konservative, calvinistische Partei SGP – die auch mit zwei Abgeordneten im niederländischen Parlament vertreten ist – befürwortete das Fernsehverbot am Sonntag. Die SGP tritt seit jeher für einen konsequenten Sonntagsschutz ein. Um ein sichtbares Zeichen zu setzen, ist ihre Internetseite sonntags nicht erreichbar.

Kritik an unfairen Partien

Kritik kam auch von dem katholischen, österreichischen Sportlerseelsorger Pater Bernhard Maier (Ebreichsdorf bei Wien). In einem Interview mit der Katholischen Presseagentur KATHPRESS zeigte er sich von den Spielen der Fußball-WM enttäuscht. Er begründete dies mit den vielen Fouls, die bei den Spielen begangen worden seien. Der „beinharte Kampf um Sieg und Geld“ erfüllt aus seiner Sicht keine Vorbildfunktion mehr für die Jugend. In den 63 Spielen (ohne Finale) hatte es insgesamt 16 Platzverweise (neun rote und sieben gelb-rote Karten) und 233 gelbe Karten gegeben. Als einen der wenigen positiven Aspekte bezeichnete Maier die Momente in den Spielen, wenn Fußballer von Mannschaftskollegen sofort getröstet wurden, wenn sie wichtige Chancen wie beispielsweise einen Elfmeter vergaben.