21. September 2017

Bayern: Protest gegen Ergänzung der Kirchenverfassung

Quelle: idea.de

Martin Fromm: Es gibt nur den einen Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Foto: Wilhelm G. Adelberger

Martin Fromm: Es gibt nur den einen Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Foto: Wilhelm G. Adelberger

Riederau (idea) – Die Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern (KSBB) lehnt eine Ergänzung der Kirchenverfassung ab.
 

Die Absicht, durch eine Ergänzung des Grundartikels Tendenzen zu einer antijüdischen Auslegung der Bibel abzuwehren und das Verhältnis zum Judentum neu zu bestimmen, werde zwar begrüßt, die vorgeschlagenen Formulierungen seien aber nicht akzeptabel, hieß es bei der Jahrestagung vom 9. bis 11. Juli im oberbayerischen Riederau am Ammersee. Im Vorschlag der Kirchenleitung steht, dass die Kirche mit der Heiligen Schrift die bleibende Erwählung des Volkes Israel bezeuge und sich dem jüdischen Volk geschwisterlich verbunden wisse. Dies lasse die Deutung zu, dass Juden nicht an Jesus Christus glauben müssten, um das ewige Leben zu bekommen, so der KSBB-Vorsitzende Andreas Späth (Ansbach). Nach Ansicht der theologisch konservativen Organisation muss der Eindruck vermieden werden, dass der gemeinsame Glaube von Juden und Christen an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs wichtiger sei als die christliche Überzeugung, dass Jesus der im Alten Testament angekündigte Messias des jüdischen Volkes sei. „Es gibt nur den einen Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat“, sagte Pfarrer Martin Fromm (Rüdenhausen bei Schweinfurt). Dies hätten Christen in der Tradition des Neuen Testamentes auch gegenüber Juden zu bezeugen. Deshalb sei es ein schweres Versäumnis, „dass ausgerechnet die an Jesus glaubenden messianischen Juden in dem Änderungsvorschlag nicht genannt werden“. Nur diese Juden habe der Apostel Paulus als geistliche Geschwister von Heidenchristen bezeichnet, während er am Unglauben der jüdischen Mehrheit harte Kritik übte. Über die Verfassungsergänzung soll die Landessynode im Frühjahr abstimmen. Bis zum 31. Oktober können Kirchengemeinden ein Votum abgeben, wobei keine Reaktion als Zustimmung gewertet wird. Späth hofft auf eine breite Protestbewegung. Die KSBBn hat nach eigenen Angaben einen Freundeskreis von rund 6.500 Laien und Theologen.

Juden das Evangelium vorenthalten ist ein Verbrechen

Auch nach Ansicht des Pastors der messianischen Gemeinde in Nürnberg, Nikolaj Krasnikov, brauchen Juden das Evangelium. Wer ihnen die Botschaft vorenthalte, dass Jesus Christus ihr Messias sei, verhindere die ewige Errettung von jüdischen Menschen. Krasnikov nannte dies ein schwerwiegendes Verbrechen. Messianische Juden hätten den wahren jüdischen Glauben, wie er von den alttestamentlichen Propheten verkündigt worden sei. Der sächsische Evangelist Theo Lehmann (Chemnitz) betonte ebenfalls eine Pflicht zur Judenmission. Jesus Christus habe diesen Befehl gegeben, damit er ausgeführt werde. Die Frage, „ob es taktisch klug ist, wenn Deutsche in Israel missionieren“, rechtfertige keinen prinzipiellen Verzicht auf ein christliches Zeugnis gegenüber Juden.

Philosoph: Ohne Mission wird das Christentum zur Ideologie

In einem religionsphilosophischen Beitrag rief Prof. Harald Seubert (Erlangen/Posen) die Kirchen auf, öffentlich zum Glauben an Jesus Christus einzuladen. Ohne den Hinweis, dass sich jeder Mensch vor Gott verantworten müsse, schrumpften christliche Überzeugungen – etwa die Gleichheit aller Menschen, die unantastbare Menschenwürde und die Freiheit – auf Dauer zu ideologischen Schlagworten ohne gesellschaftsprägenden Einfluss. Ein Verzicht auf Mission und Evangelisation wäre gleichbedeutend mit dem Eingeständnis, keinen gesellschaftlichen Einfluss mehr ausüben zu wollen.