19. November 2017

Pietisten entwickeln Verhaltenskodex gegen Missbrauch

Quelle: idea.de

Der Vorsitzende des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes, Pfarrer Hartmut Schmid. Foto: idea/Grasse

Der Vorsitzende des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes, Pfarrer Hartmut Schmid. Foto: idea/Grasse

Bad Liebenzell (idea) – Württembergische Pietisten haben einen Verhaltenskodex für den Umgang mit Sexualität entwickelt. Das bereits vor eineinhalb Jahren entworfene Arbeitspapier wurde am 24. Mai beim Gemeinschaftstag des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes in Bad Liebenzell vorgestellt.
 

Es soll das Bewusstsein dafür schärfen, dass auch Christen nicht vor sexuellen Verfehlungen gefeit sind, und helfen, Kinder und Jugendliche vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Sein Hauptzweck sei, Mitarbeiter zu sensibilisieren, um Grenzüberschreitungen zu verhindern, erklärte der Vorsitzende, Pfarrer Hartmut Schmid, vor rund 2.000 Besuchern. Schmid: „Wie in theologischen wollen wir auch in ethischen Fragen Klarheit und Eindeutigkeit.“ An der Formulierung des Kodex waren auch die Liebenzeller Mission, der Süddeutsche und der Starkenburger Gemeinschaftsverband beteiligt. Einen konkreten Anlass habe es nicht gegeben, sagte Schmid gegenüber idea.

Eine Form von evangelischer Kirche

Schwerpunkt der Verbandsarbeit seien die geistliche Stärkung von Christen und die Evangelisation unter Nicht-Christen. Dazu gebe es Absprachen mit den Kirchenleitungen in Bayern, Württemberg und Baden, die den etwa 400 örtlichen Gemeinschaften Freiräume zur Gestaltung eines eigenständigen Gemeindelebens gewähre. Schmids Vorstandskollege Klaus Ehrenfeuchter ergänzte, dass dabei der Grundsatz gelte: „In einer pietistischen Gemeinschaft erlebt man immer auch eine Form von evangelischer Kirche.“

Christen als „Wegbereiter zu einem gelingenden Leben“

Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Michael Diener (Kassel), ermutigte die Besucher, ihre Glaubenserfahrungen im Alltag umzusetzen. So wie Gott Menschen mit Liebe, Vertrauen und Versöhnungsbereitschaft begegne, so solle auch der zwischenmenschliche Umgang sein. Als „Wegbereiter zu einem gelingenden Leben“ sollten Christen zeigen, wie die gegenwärtig in der Gesellschaft vorherrschenden Werte Egoismus, Geiz und Gier überwunden werden können. Mit mehr als 100 Gemeinschaftspastoren, Gemeinschaftsschwestern und Gemeindediakoninnen sowie über 2.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern erreicht der LGV wöchentlich rund 15.000 Erwachsene und Jugendliche.