21. November 2017

Ökumenischer Kirchentag war „ein großer Erfolg“

Quelle: idea.de

Der evangelische Kirchentagspräsident, der Medizinprofessor Eckhard Nagel, und der katholische Kirchentagspräsident Alois Glück bei der Vesper auf dem Odeonsplatz. Foto: 2. ÖKT/Burst

Der evangelische Kirchentagspräsident, der Medizinprofessor Eckhard Nagel, und der katholische Kirchentagspräsident Alois Glück bei der Vesper auf dem Odeonsplatz. Foto: 2. ÖKT/Burst

München (idea) – Als „großen Erfolg“ werten die Verantwortlichen des 2. Ökumenischen Kirchentags das Christentreffen, das am 16. Mai nach fünf Tagen in München zu Ende geht.
 

Der evangelische Kirchentagspräsident, der Medizinprofessor Eckhard Nagel (Bayreuth/Augsburg), sagte vor Journalisten, die mehr als 130.000 Dauerteilnehmer hätten das Verbindende in den Mittelpunkt ihres Denkens und Tuns gestellt. Im Blick auf die politische Zeitansage sei der – nach Berlin 2003 – 2. Ökumenische Kirchentag anders verlaufen als beispielsweise die Deutschen Evangelischen Kirchentage 1981 in Hamburg und 1983 in Hannover. Damals seien bisweilen Eier geflogen, und man habe mit Friedensparolen auf lila Halstüchern in die politische Debatte eingegriffen. Der jetzige Kirchentag habe sich nicht zu vereinfachenden Botschaften hinreißen lassen. Diese würde den komplexen Fragestellungen etwa im Blick auf die Folgen der Finanzkrise oder zum Missbrauchsskandal nicht gerecht. Im Mittelpunkt hätten die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit, die Bereitschaft zum wissenschaftlichen Fortschritt, die Reformation der Kirchen und die Ökumene gestanden. Der Münchner Kirchentag habe „Geschichte geschrieben“ und der Ökumene ein neues Gesicht gegeben. Dabei bezog sich Nagel auf die orthodoxe Vesper unter freiem Himmel, an der etwa 20.000 Christen teilnahmen. Sie galt als Zeichen für die Sehnsucht nach einem gemeinsamen Abendmahl für evangelische, katholische und orthodoxe Christen.

Glück: Ökumene ist „wetterfest“

Der katholische Kirchentagspräsident Alois Glück (Hörzig/Traunwalchen) sagte, die Ökumene habe sich – nicht nur wegen der kühlen und regnerischen Witterung – als „wetterfest“ erwiesen. Er sei ein beeindruckendes Bekenntnis zur Gemeinschaft im Glauben gewesen. Jetzt müssten noch ungelöste Fragen wie die des gemeinsamen Abendmahls angegangen werden. Die zunehmende Ungeduld der Menschen in den Gemeinden sei verständlich. Aus dem Glauben erwachse aber auch Weltverantwortung. Das Interesse am Gespräch mit Verantwortungsträgern aus Wirtschaft und Politik sei nicht einseitig, auch sie suchten das Gespräch. Glück und Nagel befürworteten einen weiteren Ökumenischen Kirchentag. Über einen Termin müsse man aber noch sprechen. Ob das 500-jährige Reformationsjubiläum im Jahr 2017 dazu geeignet sei, ließen sie offen.

Zollitsch: Keine ökumenische Eiszeit

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), sagte, er verspüre einen „Willen zum Aufbruch“ als Folge des Kirchentags. Das Münchner Treffen habe gezeigt, dass es keine ökumenische Eiszeit gebe, sondern dass die Ökumene lebe. Der Missbrauchskrise habe man sich auf dem Kirchentag gestellt. Aber sie sei nicht die „graue Wolke“ gewesen, „die die Sonne des Kirchentags hat verblassen lassen“.

Schneider: Segen für unser Land

Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), sagte, Ökumene könne man nicht auf kirchenleitender Ebene machen; sie sei ein Werk des Heiligen Geistes. Dieser lasse sich nicht an Konfessionsgrenzen binden. Die Ökumene verändere schon jetzt die Kirchen und bringe sie zum Handeln für die Welt. Der 2. Ökumenische Kirchentag sei „ein Segen für unser Land und die Gesellschaft“. Schneider wie auch Nagel begrüßten ausdrücklich, dass die im Februar zurückgetretene EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischöfin a.D. Margot Käßmann (Hannover), erstmals wieder auf dem Kirchentag aufgetreten und mit großem Jubel empfangen wurde. Der Kirchentag sei für die frühere Generalsekretärin „das Feld“, so Schneider.