18. November 2017

Muslimische Politikerin: Gleiches Recht für Kreuz und Kopftuch

Quelle: idea.de

Mögliche SPD-Ministerin Zülfiye Kaykin in NRW: Keine Vorherrschaft für eine Religion. Foto: SPD

Mögliche SPD-Ministerin Zülfiye Kaykin in NRW: Keine Vorherrschaft für eine Religion. Foto: SPD

Duisburg (idea) – Der Staat sollte zu allen Religionen den gleichen Abstand finden. Dafür plädiert die Deutsch-Türkin Zülfiye Kaykin, die im Falle eines SPD-Wahlsiegs am 9. Mai in Nordrhein-Westfalen die erste muslimische Ministerin im bevölkerungsreichsten Bundesland werden könnte.
 

Die bisherige Geschäftsführerin der Bildungsstätte in der Duisburger Merkez-Moschee gehört als Integrationsexpertin zum Schattenkabinett von SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft. Wie Kaykin der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, sollte bei der Frage, ob Lehrerinnen an der Schule ein Kopftuch tragen dürfen, genauso verfahren werden wie beim Kreuz im Klassenraum. In Nordrhein-Westfalen sind Kruzifixe in den Klassenzimmern erlaubt, sofern niemand daran Anstoß nimmt. Eine ähnliche Regelung fordert Kaykin auch bei der Debatte um das Kopftuch. Es müsse „gleiches Recht für alle“ gelten und akzeptiert werden, dass verschiedene Religionen in Deutschland zuhause sind: „Da kann es keinen geben, der die Vorherrschaft für sich beansprucht.“ Auf die Frage, ob die Türkei Mitglied der Europäischen Union (EU) werden sollte, sagte Kaykin, das Land habe die Aufnahme verdient. Die Frage der Religionsfreiheit und Menschenrechte seien jedoch wichtige Aspekte auf dem Weg der Türkei in die EU.

„Gott oder Allah ist einerlei“

Kaykin vertritt ferner die Auffassung, dass alle drei monotheistischen Religionen (Christentum, Judentum, Islam) den gleichen Gott anbeten. „Ob ich Gott oder Allah sage, ist einerlei“, so Kaykin. Sie äußerte sich vor dem Hintergrund der Debatte um die Verwendung der Gottesformel bei der Vereidigung der niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan (CDU). Sie hatte den Zusatz „So wahr mir Gott helfe“ verwendet und erläutert, dass dies den gemeinsamen Gott von Christen, Juden und Muslimen betreffe. Kirchenvertreter hatten demgegenüber auf das unterschiedliche Gottesbild hingewiesen. Bis Ende April leitete Kaykin die Begegnungsstätte der Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh. Medienberichten zufolge schwelt in der größten Moschee Deutschlands seit Monaten ein Konflikt zwischen theologisch-konservativen und liberalen Muslimen. Laut Kaykin beruhen die Auseinandersetzungen jedoch auf zwischenmenschlichen Problemen: „Die Grundrichtung ist ganz klar: Die Begegnung und das Miteinander mit den Bürgern wurde und wird weiter gefördert.“ Kaykin gehört seit 1994 der SPD an. 2007 erhielt sie den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für ihr interkulturelles Engagement.