18. November 2017

Multireligiöses Gebet ist eine „Quelle der Kraft“

Quelle: idea.de

v.l.: André Gerth (Moderator), Prof. Stephan Leimgruber, Chidi Denis Isizoh, Prof. Michael von Brück. Foto: idea/Pankau

v.l.: André Gerth (Moderator), Prof. Stephan Leimgruber, Chidi Denis Isizoh, Prof. Michael von Brück. Foto: idea/Pankau

München (idea) – Als eine „Quelle der Kraft“ hat der Theologe und Religionswissenschaftler Prof. Michael von Brück (München) das multireligiöse Gebet bezeichnet.
 

Wenn Menschen unterschiedlichen Glaubens miteinander beteten, dann könne das jeden einzelnen in seinem Glauben weiterbringen, erklärte er am 13. Mai beim Ökumenischen Kirchentag in München. Dazu sei es nötig, dass man die anderen in ihrem Glauben ernst nähme und achte. Eine gemeinsame Gottesvorstellung hingegen sei nicht Voraussetzung. „Sonst könnten auch wir Christen nicht zusammen beten, weil mit Sicherheit jeder von uns ein anderes Gottesbild hat“, so von Brück in der Veranstaltung zum Thema „Multireligiöses Gebet – theologische und pastorale Chancen“. Er selbst bete heute anders als noch vor 20 Jahren, bekannte von Brück, der einige Jahre in Japan und Indien lebte und auch als Zen- und Yoga-Lehrer tätig ist. Gerade mit Blick auf die Gottesbilder könnten Christen in Deutschland viel von Asien oder Afrika lernen. Hier täten sich viele Christen schwer damit, zu Gott als einem Vater zu beten, weil sie mit ihrem eigenen Vater zum Teil „desaströse“ Erfahrungen gemacht hätten. Es gelte deshalb, neue Bilder für Gott zu finden. Dabei könne der Austausch mit anderen Religionen vor allem aus dem asiatischen und afrikanischen Bereich helfen, „weil sie ein unverkrampfteres Verhältnis zu Gott haben als wir“. Die Behauptung, nicht alle Menschen beteten zum selben Gott, bezeichnete von Brück als „Unsinn“: „Entweder es gibt einen Gott und dann beten wir alle zu dem einen Gott. Oder es gibt keinen.“

Einfach zu „Gott“ beten

Der Religionspädagoge Prof. Stephan Leimgruber (München) nannte zwei Varianten wie das gemeinsame Gebet unterschiedlicher Religionen – etwa in der Schule – praktiziert werden könne. Zum einen gebe es die Möglichkeit der liturgischen Gastfreundschaft, bei der eine Religion eine Andacht gestaltet und die anderen als Gäste anwesend sind. Man könne sich aber auch zum multireligiösen Gebet treffen, bei dem die einzelnen Gläubigen nacheinander beteten. Der Nigerianer Chidi Denis Isizoh vom Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog (Vatikanstadt) berichtete von interreligiösen Gebeten in Afrika. Wenn dort Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammen kämen, bete der Hausherr bewusst nur zu „Gott“: „Damit können alle leben und niemand fühlt sich verletzt“, so der Geistliche. Gleichzeitig ermutigte er die Besucher der Veranstaltung, zunächst ihren eigenen Glauben zu vertiefen, bevor sie das interreligiöse Gespräch suchten: „Nur wer seinen eigenen Glauben kennt, ist auch im Dialog ein glaubwürdiger Gesprächspartner.“