21. November 2017

Missbrauch ist nicht nur ein Problem, sondern Sünde

Quelle: idea.de

Der Leiter des Geistlichen Rüstzentrums Krelingen, Pastor Martin Westerheide, ruft zur Buße.

Der Leiter des Geistlichen Rüstzentrums Krelingen, Pastor Martin Westerheide, ruft zur Buße.

Krelingen (idea) – „Missbrauch ist nicht nur ein gesellschaftliches Problem – Missbrauch ist Sünde.“ Das hebt der Leiter des Geistlichen Rüstzentrums Krelingen (bei Walsrode), Pastor Martin Westeheide, hervor.
 

Bei Missbrauch dürfe nichts schöngeredet werden, schreibt er in der Zeitschrift des größten pietistischen Zentrums in Norddeutschland. Nur eine Reaktion sei angemessen, nämlich die des Verlorenen Sohns im Gleichnis Jesu: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße …“ (Lukas 15,21). Allein dieses Sündenbekenntnis habe die Verheißung der „ausgebreiteten, einladenden Arme des Vaters“, nämlich Gottes. Wer hingegen leugne und sein eigenes Tun schönrede oder nach Entschuldigungen und Ausflüchten suche, habe die Lebens- und Freiheitschance Gottes nicht begriffen. Als oberflächlich bezeichnet es Westerheide, den Zölibat mit Missbrauch in Verbindung zu bringen: „Ein Leben in selbst gewählter Ehelosigkeit kann ein genialer Lebensentwurf sein.“ Ein Beleg dafür sei das segensvolle Wirken vieler Diakonissen.

Geistlicher Missbrauch mit Bibelzitaten

Laut Westerheide macht nicht nur sexueller Missbrauch den Menschen kaputt; das geschehe auch etwa durch Machtmissbrauch oder geistlichen Missbrauch. Selbst wenn dieser mit Bibelzitaten begründet werde, sei er Sünde. Westerheide plädiert dafür, auch Missbräuche in evangelikalen Gemeinden oder Familien offen anzusprechen. Das von Pastor Heinrich Kemner (1903-1993) 1965 gegründete Rüstzentrum umfasst ein theologisches Studienzentrum, ein Freizeit- und Tagungszentrum, Betriebe, Werkstätten, eine Seniorenwohnanlage sowie berufliche Rehabilitation und Suchtnachsorge für Menschen mit psychischen Problemen.