19. November 2017

Margot Käßmann: Kirchlicher Popstar oder Göttin?

Margot Käßmann hielt die erste Predigt nach ihrem Rücktritt vom Ratsvorsitz der EKD

Margot Käßmann hielt die erste Predigt nach ihrem Rücktritt vom Ratsvorsitz der EKD

K o m m e n t a r

von Thomas Schneider

Als wäre es zum 2. Ökumenischen Kirchentag in München nicht schon peinlich genug gewesen, dass sich die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland feiern ließ wie einen Popstar. Ähnlich wie den Dalai Lama, dem 2003 Christen mit stehenden Ovationen zujubelten. Schon damals wussten viele Gläubige nicht, was sie tun.

Am vergangenen Sonntag hat Margot Käßmann in Hannover erstmals nach ihrem Rücktritt als Ratsvorsitzende einen Gottesdienst gehalten. Besucher berichteten, dass sich bereits mehrere Stunden vor Beginn Käßmann-Anhänger und Schaulustige eingefunden hätten. Und da der Platz in der Marktkirche nicht ausreichte, hätte man den Gottesdienst auch über Lautsprecher nach draußen ins Freie übertragen müssen. Tobenden Beifall habe es beim Eintreffen der Kirchenfrau gegeben. Tausende Flugblätter seien verteilt und das bekannte Lied „Komm sag`es allen weiter“ umgedichtet worden. So hätte man gesungen:

„Wir wollen Margot Käßmann als Bischöfin zurück. Sie ist doch für uns alle ein lang ersehntes Glück. – Sie ist zurückgetreten, das hatte seinen Grund. Doch makellos ist keiner, drum singt aus einem Mund. – Wir brauchen Margot Käßmann, ein Mensch für uns bereit. Kennt alle Sorgen, Ängste und nimmt sich für uns Zeit. – Wir haben Margot Käßmann jetzt lang genug entbehrt. Gebt ihr die zweite Chance, wie Jesus uns gelehrt.“ Und im Refrain sei zu hören gewesen: „Komm, sag‘ es allen weiter, ruf‘ es in jedes Haus hinein, / Komm sag‘ es allen weiter, Frau Käßmann soll es sein.“

Ich kann mich nicht erinnern, dass sich jemals ein gefallenes Kirchenoberhaupt so umjubeln ließ wie Frau Käßmann. Doch zuallererst ist nicht ihr der Vorwurf zu machen, dass sie gefeiert wird wie eine Göttin. Menschen in München, Hannover und anderswo erheben sie dazu. Sie preisen nicht den Herrn der Welt, der sich für Schuld und Versagen der Menschen kreuzigen ließ, sondern eine Theologin, von der sie erhoffen, dass sie ihnen das Heil bringt.