21. November 2017

Landeskirche weist Kritik an Akademie Bad Boll zurück

Quelle: idea.de

Christian Tsalos: Die Akademie und die Landeskirche in Württemberg nehmen die Bedenken ernst.

Christian Tsalos: Die Akademie und die Landeskirche in Württemberg nehmen die Bedenken ernst.

Stuttgart/Bad Boll (idea) – Die württembergische Landeskirche hat Kritik an einer geplanten Nahost-Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll zurückgewiesen. Zu der Veranstaltung „Partner für den Frieden – Mit Hamas und Fatah reden“ wurden Referenten palästinensischer Organisationen eingeladen, die den Staat Israel nicht anerkennen.
 

Insbesondere die Mitwirkung eines Vertreters der radikal-islamischen Hamas hat international Proteste ausgelöst. Diese Organisation verneint in ihrer Satzung das Existenzrecht Israels und bekämpft den Staat Israel mit Attentaten. Sie wird deshalb von der EU und den USA als terroristische Vereinigung eingestuft, zu der keine offiziellen Kontakte erlaubt sind. Nach Angaben des landeskirchlichen Pressesprechers, Pfarrer Christian Tsalos (Stuttgart), nehmen die Akademie und die Landeskirche in Württemberg die Bedenken ernst. Der Akademie werde vorgeworfen, einseitig die Position der Palästinenser darzustellen, einen Referenten eingeladen zu haben, der im Blick auf Israel extremistische Positionen vertrete, und keinen Vertreter für die Positionen der israelischen Regierung hinzugebeten zu haben.

Keine Sympathie für gewaltbereite Organisationen

Laut Tsalos beruht die Kritik auf „manchen abwegigen Vermutungen“, die durch Überschrift und Bestandteile des Programms ausgelöst worden seien. Dies bedauere Landesbischof Frank Otfried July. Weder die Akademie noch die Landeskirche hegten Sympathien mit Hamas oder anderen gewaltbereiten Organisationen. Die Tagung solle „über die Vorstellungen der beiden politischen Akteure Hamas und Fatah zu einem Frieden im Nahen Osten informieren“. Sie sei „vom Willen getragen, aus einer Haltung der Verbundenheit mit Israel und der Friedenssehnsucht für alle Menschen im Nahen Osten Wege aus einer Sackgasse zu suchen, in der sich die Situation dort befindet“. Es gehöre zu den Aufgaben der Akademie, „um der Menschen Willen Brücken zu bauen und sich auch in politisch unwegsames Gelände zu wagen“.

Proteste auch in Israel

Laut Tsalos wird das Programm an zwei Stellen verändert. Der eingeladene Hamas-Vertreter habe kein Visum erhalten und werde an der Tagung nicht teilnehmen. In einem zusätzlichen „Diskurs über den Diskurs“ werde gefragt, „mit wem der Dialog stattfinden muss und soll“. Außerdem wolle die Akademie auch mit den Kritikern ins Gespräch kommen. Gegen die Einladung des Hamas-Mitglieds Basem Naim, der im Gazastreifen als Gesundheitsminister amtiert, gab es heftige Proteste in Politik und Kirche. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der frühere CDU-Politiker Johannes Gerster (Mainz), schrieb dem amtierenden EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), er habe den Eindruck, die Hamas solle hoffähig gemacht werden. Kirchliche Gruppen in Württemberg verlangten die Absetzung der Tagung. In Israel fragten mehrere Zeitungen besorgt, ob sich die deutsche Haltung gegenüber Hamas geändert habe. Die Bundeszentrale für politische Bildung zog die sonst übliche Förderung zurück.