18. November 2017

Können Baptisten die Säuglingstaufe anerkennen?

Quelle: idea.de

Der baptistische Theologe Professor Kim Strübind: Anerkennung ist für Identität der Baptisten kein Verlust.

Der baptistische Theologe Professor Kim Strübind: Anerkennung ist für Identität der Baptisten kein Verlust.

München (idea) – Die Anerkennung der Säuglingstaufe bedeutet für Baptisten keinen substanziellen Verlust. Diese Ansicht vertrat der baptistische Theologe Professor Kim Strübind (Oldenburg) am 13. Mai beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München.
 

Baptisten taufen nur – meist erwachsene – Christen, die sich zu ihrem Glauben bekennen und lehnen die Säuglingstaufe als unbiblisch ab. Strübind zufolge besteht jedoch im Baptismus die Gefahr, die Gläubigentaufe zu einer Tat des Gesetzes zu machen. Man dürfe der Tauffrage keine übermächtige Position einräumen. Die Taufe sei kein Konversionsritus, mit dem man von einer Gemeinschaft in die andere wechsle, sondern Gnade. Zwar gehöre es zur Identität der Baptisten, weiter nur gläubige Menschen zu taufen. Dies bedeute aber nicht, über den Glauben anderer zu urteilen. Strübind: „Wir können einander die Taufe glauben.“ Dagegen hatte der Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), Hartmut Riemenschneider (Marl), eine Woche zuvor erklärt: „Diese Brücke in der Tauffrage halten wir für nicht gangbar.“ Eine Aufnahme einer vollen Kirchengemeinschaft zwischen Baptisten und Lutheranern sei gegenwärtig nicht möglich.

Annäherung zwischen Baptisten und Lutheranern?

Eine Arbeitsgruppe von Lutheranern und Baptisten hatte von 2003 bis 2009 theologische Lehrgespräche geführt und ein „Konvergenzdokument“ verabschiedet. Strübind hatte dabei den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden vertreten. Leiter der lutherischen Delegation war der Ökumenereferent Kirchenrat Ivo Huber (München), der die Gespräche im Auftrag der EKD und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) führte. Obwohl in dieser Frage in bisherigen Dialogen die Differenzen zwischen beiden Seiten als unüberbrückbar erschienen, kam die lutherisch-baptistische Arbeitsgruppe zu einem gemeinsamen Ergebnis: „Baptisten und Lutheraner können beide Taufverständnisse als unterschiedliche, jedoch legitime Auslegungen des einen Evangeliums anerkennen.“ Eine neue baptistische Arbeitsgruppe soll nun die aufgeworfenen Fragen bearbeiten und dem Präsidium der Baptisten bis 2013 eine Stellungnahme vorlegen.