19. November 2017

Kirchen zu Kochs Rückzug: Er war ein verlässlicher Partner

Quelle: idea.de

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wird sein Amt als Regierungschef am 31. August nach elf Jahren aufgeben. Foto: PR

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wird sein Amt als Regierungschef am 31. August nach elf Jahren aufgeben. Foto: PR

Wiesbaden (idea) – Die obersten Repräsentanten der beiden Landeskirchen in Hessen haben den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) gewürdigt, der seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern angekündigt hat.
 

Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Martin Hein (Kassel), und der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau, Volker Jung (Darmstadt), lobten den 52-jährigen Landespolitiker als verlässlichen Gesprächspartner. Koch hatte am 25. Mai in Wiesbaden erklärt, dass er sein Amt als Regierungschef am 31. August nach elf Jahren aufgeben wird. Schon am 12. Juni werde er auf dem Parteitag der CDU Hessen nicht mehr als Landesvorsitzender kandidieren. Auch als stellvertretender Vorsitzender der Bundespartei will er im November nicht mehr antreten. „Politik ist Teil meines Lebens, aber nicht mein Leben“, sagte er und kündigte an, sich künftig in der Privatwirtschaft zu engagieren. Bischof Hein erklärte, dass Koch trotz unterschiedlicher Positionen etwa in der Sozialpolitik das freundschaftliche Verhältnis zwischen der Kirche und dem Land Hessen gefördert habe. Jung erinnerte daran, dass der Ministerpräsident „die Landespolitik mit viel Energie, auch mit dem Mut zu unpopulären und umstrittenen Entscheidungen geleitet“ habe. In der Öffentlichkeit habe Koch „oft hart und polarisierend“ gewirkt, doch persönlich habe man ihn „auch als zugänglichen und zugewandten Menschen mit einer überragenden Auffassungsgabe“ erlebt. Beide Kirchenleiter zeigten sich dankbar für Kochs Engagement bei der Sicherung der Evangelisch-theologischen Fakultäten an den hessischen Universitäten und sein Verständnis für die kirchlichen Argumente beim Schutz der Sonn- und Feiertage.

Pietisten: Kein Vorbild für Christen

In evangelikalen Kreisen sind die Reaktionen auf den geplanten Rücktritt Kochs geteilt. Der Inspektor des Chrischona-Gemeinschaftswerks, Pfarrer Rainer Geiss (Friedrichsdorf bei Frankfurt am Main), würdigte vor allem Kochs Überzeugungskraft als Politiker. Doch für Christen habe er seine Vorbildfunktion eingebüßt, als er sich etwa für eine Lockerung bei den Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen sowie für den Buddhismus eingesetzt habe. Er sei ein Politiker „mit Schattenseiten“. Koch hatte 2005 für das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, den Dalai Lama, zu dessen 70. Geburtstag einen Festakt gegeben. Der Ministerpräsident bezeichnete ihn dabei als „Freund“ und „Seine Heiligkeit“. Koch würdigte zugleich den Einsatz des Dalai Lama für Frieden, Toleranz und Verständigung zwischen den Religionen. Das Chrischona-Gemeinschaftswerk unterhält 35 seiner bundesweit 69 Gemeinden in Hessen. Der theologische Leiter des in Kassel ansässigen Jugendverbandes „Entschieden für Christus“ (EC), Rudolf Westerheide (Kassel), hält Kochs Rücktritt für „bemerkenswert“. In einer Demokratie werde Politikern „Macht auf Zeit“ verliehen. Diese Macht selbst zu beenden, sei ein Zeichen für eine „verantwortliche Lebensplanung“. Der Pfarrer der pietistisch geprägten Personalkirchengemeinde Nord-Ost in Frankfurt am Main, Andreas Hannemann, bedauerte Kochs Rücktritt. Er sei einer der intelligentesten Politiker Deutschlands. Doch sein Eintreten für den Dalai Lama habe viele Christen verunsichert. Mit 256 Mitgliedern ist die Nord-Ost-Gemeinde die größte Gemeinde innerhalb des Stadtmissionsverbandes Frankfurt.

Plansecur-Stiftung: Verlust für Hessen

Die Vorsitzende der nach christlichen Maßstäben tätigen Plansecur-Stiftung, Anette Trayser (Kassel), bedauerte gegenüber idea den Rücktritt, der „ein Verlust für Hessen“ sei. Koch war 2006 mit der silbernen Gründungsmedaille der Plansecur-Stiftung wegen seiner Initiativen in der Bildungspolitik, zur Stärkung der Stiftungskultur und für die Ehrenamtskampagne „Gemeinsam aktiv“ ausgezeichnet worden. Man habe ihn als verlässlichen, fairen und anständigen Partner kennen und schätzen gelernt, so Frau Trayser. Sie würdigte vor allem Kochs Mut, „auch vor unpopulären Entscheidungen nicht zurückzuschrecken und eine eigene Meinung zu vertreten“. Die Plansecur-Stiftung ist eng mit der gleichnamigen Finanzberatungsgesellschaft verbunden. Die Stiftung unterstützt soziales Engagement sowie eine christliche Werte- und Medienkultur.

Hessen zukunftsicher gemacht

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe (Berlin) nahm Kochs Entscheidung „mit Respekt, aber auch großem Bedauern zu Kenntnis“. Sein Ausscheiden aus der Politik sei ein großer Verlust, teilte das langjährige EKD-Ratsmitglied in einer Erklärung mit. Koch sei eine der „markantesten Stimmen der CDU“ und habe „mit großer Kompetenz, klarem Kompass und politischer Weitsicht“ die Politik der Union entscheidend mitgeprägt. Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Hessischen Landtag, Christean Wagner, nannte Kochs Rücktrittswunsch einen „herben Schlag für die CDU in Hessen und im Bund“. Koch habe viele wichtige Infrastrukturprojekte – wie den Ausbau des Frankfurter Flughafens und die Beseitigung des Unterrichtsausfalls – auf den Weg gebracht und so „Hessen zukunftsicher gemacht“. Wagner gilt als engagierter evangelischer Christ in der Politik.

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