19. November 2017

Kann man sich als Muslim christlich verhalten?

Quelle: idea.de

Der katholische Missionswissenschaftler Jürgen Lohmayer. Foto: Julius-Maximillians-Universität Würzburg

Der katholische Missionswissenschaftler Jürgen Lohmayer. Foto: Julius-Maximillians-Universität Würzburg

München (idea) – Soll man Angehörige anderer Religionen zum christlichen Glauben bekehren? Über diese Frage haben Missionsexperten auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München gestritten.
 

Der katholische Missionswissenschaftler Jürgen Lohmayer (Würzburg) sagte, es gehe nicht darum, jemanden von seiner vermeintlich falschen Religion wegzubringen. Auch außerhalb der verfassten Kirchen und in anderen Religionen gebe es ein „anonymes Christentum“. Lohmayers Folgerung: „Man kann sich christlich verhalten, auch wenn man Muslim ist.“ Er wolle aber keine Einheitsreligion. Es gebe ein „spezifisch christliches Verhalten“. Unterdrückung zu beseitigen sei das, „was uns Christen ausmacht“. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM), Missionsdirektor Detlef Blöcher (Sinsheim bei Heidelberg), widersprach Lohmayer: „Wenn alles anonym christlich ist, dann ist nichts mehr christlich.“ Zugleich plädierte er für Mission unter Muslimen. Sie hätten nie die Gewissheit, „ob Allah sie im Jüngsten Gericht annehmen wird“. Deshalb sei es eine einzigartige Botschaft für Muslime, dass sie mit Gott in Jesus Christus versöhnt werden können. Blöcher dankte vielen Christen dafür, dass sie weiterhin für die Freilassung einer Familie aus Sachsen und einen Briten beten, die vor fast einem Jahr im Jemen entführt worden waren.

Nooke: Am Begriff „Mission“ festhalten

Der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, der CDU-Politiker Günter Nooke, unterstrich das Recht auf missionarische Betätigung. Nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dürfe jeder von seinem Glauben reden und diesen lehren. Insofern wehre er sich auch gegen die Überzeugung, dass Religion Privatsache sei, sagte der frühere Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung. Den Christen riet er, an dem Begriff „Mission“ festzuhalten. Zum Umgang mit dem Wahrheitsanspruch sagte er: „Wahrheit ist an sich immer intolerant, aber sie muss tolerant vertreten werden.“

Den Weg zum Heil nicht verschweigen

In einer weiteren Veranstaltung des Kirchentags kritisierte der Direktor der Liebenzeller Mission, Detlef Krause (Bad Liebenzell), die Entwertung des Begriffs „Mission“, indem man ihm den Jenseitsbezug genommen habe. Zwar gehöre die soziale Tat zur Verkündigung: „Aber wenn wir Menschen nicht sagen, wo sie das Heil finden, versagen wir ihnen das Wichtigste“, mahnte Krause. Er bekräftigte, dass Jesus Christus der einzige Weg zum Heil sei. Diese zentrale Aussage im Neuen Testament könne man nicht wegradieren. Der Missionsdirektor befürwortete grundsätzlich einen interreligiösen Dialog. Dabei dürften aber nicht entscheidende christliche Grundlagen auf dem Altar eines Pluralismus geopfert werden.