21. November 2017

Jüdisch-europäische Lobbygruppe kritisiert Israels Politik

Quelle: idea.de

Zu den Gründern gehört der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit. Foto: Wikipedia/Stepan

Zu den Gründern gehört der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit. Foto: Wikipedia/Stepan

Berlin (idea) – Die Europäische Union ist gegenüber Israel „nicht kritisch genug“. Diesen Vorwurf hat der Europaparlamentarier und Jude Daniel Cohn-Bendit (Die Grünen) in einem Interview mit der Wochenzeitung Jüdische Allgemeine (Berlin) erhoben.
 

Der Politiker gehört zu den Gründern einer israelkritischen Lobbygruppe am Sitz des EU-Parlamentes in Brüssel. Die Initiative JCall versteht sich als „jüdisch, europäisch, Israel verpflichtet, aber kritisch gegenüber dessen aktueller Regierungspolitik“, heißt es in ihrem Anfang Mai veröffentlichten „Appell an die Vernunft“. Israel sei sowohl durch Bedrohungen von außen gefährdet wie durch die Besetzung und den Auf- und Ausbau von Siedlungen im Westjordanland und in den arabischen Vierteln Ostjerusalems. Europa und die USA sollten auf beide Seiten Druck ausüben, damit es zu einer Zwei-Staaten-Lösung und einem Frieden komme. Dem Appell haben sich inzwischen mehr als 5.000 Personen angeschlossen. Wie Cohn-Bendit in dem Interview weiter sagte, will JCall zeigen, dass es auch Juden in Europa gibt, die sich nicht von den offiziellen jüdischen Organisationen vertreten fühlen. Es sei „traurig, dass diese zu Verlautbarungsorganen des israelischen Außenministeriums geworden sind“.

Konkurrenzappell „Vernünftig bleiben“ hat 8.000 Unterstützer

Bei anderen jüdischen Organisationen stößt die Aktion auf Kritik. Das Europäische Rabbiner-Zentrum wirft JCall vor, den jüdischen Staat hinterrücks anzugreifen. Die französische Vereinigung jüdischer Institutionen CRIF spricht JCall das Recht ab, Juden in Israel vorzuschreiben, wie die Grenzen des Landes sein sollen. Der Präsident des Europäisch-Jüdischen Kongresses, Moshe Kantor, bezeichnet JCall als „kleine Minderheitenmeinung unter europäischen Juden“. Auch in israelischen Zeitungen ist von „Schützenhilfe für die Feinde Israels“ die Rede. Unterdessen habe in Frankreich eine andere Gruppe einen Konkurrenzappell unter der Überschrift „Vernünftig bleiben“ verfasst, berichtet die Jüdische Allgemeine. Diesem Aufruf, der jeglichen Druck auf Israel ablehnt und von Palästinensern einen stärkeren Friedenswillen erwartet, haben bisher etwa 8.000 Personen zugestimmt.