19. November 2017

Gott leugnen und Pfarrer sein?

Quelle: idea.de

Der Hamburger Theologe Paul Schulz will wieder auf die Kanzel. Foto: PR

Der Hamburger Theologe Paul Schulz will wieder auf die Kanzel. Foto: PR

Hamburg (idea) – Kann ein Theologe, der die Existenz Gottes in Frage stellt, Pastor sein? Nein, entschied 1979 die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) in einem Lehrzuchtverfahren gegen Paul Schulz.
 

Der damalige Pastor an der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi verkündigte, dass es Gott nicht gebe. Nach einem dreijährigen Lehrzuchtverfahren wurden ihm die Ordinationsrechte entzogen. Doch jetzt will der 72-Jährige das Verfahren wieder aufrollen. Der Grund: Die Protestantische Kirche in den Niederlanden hat keine Einwände, dass ein ähnlich denkender Pfarrer als Geistlicher tätig ist. Pastor Klaas Hendrikse (Zieriksee) predigt ebenfalls, dass es Gott nicht gibt und hat darüber das Buch „Glauben an einen Gott, den es nicht gibt“ geschrieben. Diese Auffassung taste die Fundamente der Kirche nicht an, urteilte die niederländische Kirche. Schulz nimmt dies zum Anlass für einen Antrag, sein Lehrzuchtverfahren wieder aufzunehmen. Die VELKD will den Antrag prüfen. Große Chancen, dass er angenommen wird, geben ihm Kenner der Materie aber nicht. Lehrzuchtverfahren sind in der evangelischen Kirche in Deutschland selten. Nach 1945 wurde neben Schulz nur der württembergische Pfarrer Richard Baumann 1953 aus dem Dienst entfernt. Er wollte, dass sich die evangelische Kirche „Rom“ anschließt. Ein Lehrzuchtverfahren gegen die feministische Theologin Jutta Voss aus Württemberg wurde eingestellt. Bevor das Urteil gesprochen wurde, entschloss sie sich 1993, selbst aus dem Dienst zu scheiden. Sie hatte in ihrem Buch „Das Schwarzmond-Tabu“ Vergleiche zwischen der weiblichen Regelblutung und dem biblischen Aussagen zum Abendmahl angestellt.